Ödembildung

1. Gezielte Anamnese
  • Auftreten nach längerem Sitzen oder Stehen (eher hydrostatisch)?
  • Prämenstruelles Auftreten (hormonabhängig - nicht krankhaft)?
  • Verschwinden bei körperlicher Aktivität (kein Krankheitswert)?
  • Herz-/Nieren-/Lebererkrankung bekannt?
  • Belastungsdyspnoe/Orthopnoe?
  • Durchfälle (Eiweissmangel)?
  • Oligurie (Niereninsuffizienz)?
  • Schäumender Urin (Proteinurie)?
  • Medikation?
  • Auslandsaufenthalt (Filariose)?
  • Begleitsymptome, wie Fieber, Gewichtsabnahme, etc.?
2. Lokale Untersuchung
  • Fingerdrucktest:
    • Dellenbildung: hydropisches Ödem, weniger als 6 Monate bestehend
    • Keine Dellenbildung:
      • Myxödem (typisch prätibial)
      • Lipödem
      • chronisches Lymphödem
      • hydropisches Ödem, lange bestehend
  • Ausdehnung der Ödeme:
    • nur prätibial: Myxödem
    • Fußrücken ausgepart: Lipödem
    • Fußzehen ausgespart: hydropisches Ödem
    • Fußzehen miteinbezogen: Lymphödem (Stemmer-Zeichen: Die Haut ist über dem Grundgegelenk der 2. Zehe nicht mehr abzuheben)
  • Hautfarbe:
    • blass: Lymphödem
    • livide-rötlich (bis braun): venöses Ödem (hier auch Zeichen einer CVI)
    • fahl-grau: CNI
3. Weitere Diagnostik
  • Labor:
    • Routine 3
    • Harnstoff
    • EEL und Gesamteiweiss
    • Cholinesterase
    • INR
  • Sono-Abdomen
  • EKG
  • Facharztdiagnostik
    • Rö-Thorax
    • Echo
4. Ursachen für Ödeme/Differenzialdiagnosen
  • Generalisierte Ödeme:
    • Herzinsuffizienz (Pleuraerguss? HV-Stauung? Hepatomegalie? Anasarka?)
    • CNI/ANI (morgendliche Lidödeme? Generalisierte Ödeme?)
    • Leberinsuffizienz (Leberhautzeichen?)
    • Medikation/UAW
    • Hyperaldosteronismus
    • Gravitas
  • Regionale Ödeme:
    • statisches Ödem (wenig Bewegung, stetiges Sitzen mit abgewinkelten Beinen)
    • venöse Abflussstörung
    • Entzündung/Infektion
5. Medikamentöse Ursachen von Ödemen und ihr Mechanismus
  • NSAR:
    • Hemmung der renalen Vasodilatation durch Prostaglandine, dadurch Kochsalz- und Wasserretention
  • Antihypertensiva (v.a. Kalziumantagonisten, Minoxidil):
    • systemische vasodilatierende Wirkung, dadurch Reduktion der renalen Perfusion. Hierdurch renale Gegenregulation mit Natriumrückresorption
  • Steroide:
    • mineralokortikoide Wirkung - Aldosteroneffekt
  • Zytostatika, Antidepressiva
    • Vermehrte ADH-Freisetzung durch Stimulation der Hypophyse
  • Diuretika (!):
    • chronische Anwendung: Abnahme des Blutvolumens mit Aktivierung des RAAS
    • bei akutem Absetzen Ödembildung, da wasserretinierende Mechanismen noch aktiviert
Quellen:
[1] Stiefelhagen P: Herz, Leber, Nieren, Gefäße, Medikamente. Warum sind die Beine dick? MMW 2012;2:57-61
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