Osteoporose -
leitliniengerechtes Managment |
| 1.
Indikation zur Diagnostik auf Osteoporose |
| Frau |
Mann |
Bei
Vorliegen eines oder mehrerer der folgenden Befunde (sofern Risiko
nicht behebbar): |
|
50-60 Jahre |
60-70
Jahre |
- eine
oder mehrere Wirbelkörperfraktur(en)
- eine
oder mehrere periphere Fraktur(en) als Einzelfallentscheidung
|
| 60-70
Jahre |
70-80
Jahre |
- eine
oder mehrere Wirbelkörperfraktur(en)
-
eine oder mehrere periphere Fraktur(en)
-
Schenkelhalsfraktur eines Elternteils
-
Untergewicht (BMI < 20)
-
Nikotinkonsum
-
multiple Stürze
-
Immobilität
|
| >70
Jahre |
>80
Jahre |
- bei
allen Patienten (falls therapeutische Konsequenz)
|
Ggf.
auch sinnvoll bei potentieller sekundärer Osteoporose:
- primärer
Hyperparathyreoidismus
- längere
Medikamenteneinnahme
- Steroide
- Cyclosporin
und Tacrolimus
- Antikonvulsiva
- Aromatase-Inhibitoren
- Pioglitazon
- Heparin
- höhergradige
Niereninsuffizienz
- Diabetes
mellitus Typ I
- Malassimilation
- Anorexia
nervosa
|
| 2.
Basisdiagnostik |
- Anamnese
- aktuelle
Beschwerden: Rückenschmerzen? Funktionsbeeinträchtigungen?
- Fraktur-
und Sturzanamnese, Krankheiten oder Medikamente mit Einfluss auf
das Skelett oder auf Stürze?
- Hinweise
auf Frakturen:
- Schmerzen
bei längeren sitzenden Tätigkeiten
- Verlust
von > 4cm Körpergröße
- Tannenbaumphänomen
- verkürzerter
Rippen-Becken-Abstand
- thorakale
Hyperkyphosierung
- Frakturrisiken?
Prophylaxe durchgeführt?
- Untersuchung:
Messen von Körpergröße und -gewicht, Hinweise für
sekundäre Osteoporose oder Malignome?
- Osteodensitometrie:
DXA-Messung (LWS, Femur; Verzicht bei Frakturen möglich
- "manifeste Osteoporose")
- Labor:
- BKS/CRP,
KBB, Ca, Phosphat AP, GGT, Kreatinin, TSH, Elpho
- Östrogen/Testosteron
bei entsprechendem Verdacht
- Vitamin
D, Parathormon bei entsprechendem Verdacht
- Röntgen:
LWS und BWS in zwei Ebenen (Frakturabklärung)
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| 3.
Therapie - Basismaßnahmen |
- Koordination,
Muskelkraft, Stürze
- körperliche
Aktivität (Muskelkraft und Koordination fördern)
- Vermeidung von Immobilisation
- bei
Alter > 70 Jahre jährliche
Sturzanamnese
- bei
hohem Sturzrisiko Ursachen- und Risikoabklärung (Therapie
vermeidbarer
Sturzursachen, Kraft- und Koordinationstraining, Medikamentenrevision,
ggf. adaptierte
Hilfsmittel inkl. Hüftprotektoren)
- Ernährung
und Lebensstil [1]
- Ausreichende
Ernährung (BMI > 20)
- Kalziumreiche
Ernährung (1000-1500 mg Kalzium pro Tag)
Kalziumsupplementierung sollte nur stattfinden, wenn Nahrungszufuhr gering ist und nicht gesteigert werden kann (Risiko für CV-Ereignisse bei Übersupplementierung) - keine Gesamtzufuhr > 1500mg!
- Anhalt:
- 1 Scheibe Käse: 300mg Kalzium
- 1 Glas Milch: 300mg Kalzium
- 1 Portion Joghurt/Quark: 150mg Kalzium
- zusätzlich Mineralwasser als wichtige Kalziumquelle
- Vitamin-D:
- ausreichende
(mind. 30 Minuten täglich) Sonnenlichtexposition zur Bildung
von Vitamin D - Vitamin-D-Mangel wirkt sturzfördernd!
- ggf. Zufuhr von 800-2000IE Vitamin D3 tgl. oder 20000IE 14-tgl.
- Zielwert: Serum 25-OH-Vitamin D3 > 20ng/ml (wenn auch im Winter Werte > 25ng/ml ist Substitution entbehrlich)
- Nikotinkarenz
- Sturz-
bzw. Osteoporose-fördernde
Medikamente
- Überprüfung
der Notwendigkeit und individuelle Anpassung (z.B. Antiepileptika,
orale
Glucocorticoide), TSH sollte unter einer L-Thyroxin-Therapie
> 0,3 mU/L sein
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| 4.
Therapie - spezielle Therapie |
- Schmerztherapie
nach WHO-Stufenschema
- rasche
Mobilisierung
- bei therapieresistenten
Schmerzen durch WK-Frakturen (>3 Monate konservativer Therapieversuch):
ggf. Vertebro/Kyphoplastie
- medikamentöse
Therapie:
- Calcium
1000mg/d (s.o. - Supplementierung nur falls Zufuhr dtl. geringer als 1000mg/d)
- Vitamin
D3 800-2000IE/d
- bei manifestem Vitamin-D-Mangel 2000-3000IE/d oder 20000IE/Woche
- Verwendung von Vitamin-D3-Präparaten (Colecalciferol - z.B. Vigantoletten)
- Aktive Vitamin-D-Metabolite (Alfacalcidol, Calcitriol) eher bei sek. Hyperparathyreoidismus bei CNI
- Spezifische
Medikation bei Frakturrisiko >30% in den nächsten 10 Jahren (siehe auch Therapierechner unter DV-Osteologie):
- Alendronat
(Fosamax®) 70mg einmal wöchentlich
(Zulassung auch bei O. des Mannes)
- Risedronat
(Actonel®) 35mg einmal wöchentlich (Zulassung auch für steroidinduzierte O.)
- Ibandronat
(Bonviva®) 150mg einmal monatlich
- Ibandronat
(Bonviva® i.v.) 3g einmal pro Quartal
- vorher Kreatininbestimmung, Ca-Bestimmung - nur bei Krea <
2,3mg/dl, Normokalzämie anwendbar
- Bolusgabe
(15-30s)
- parallel
immer CaD3-Behandlung (kann zu Hypokalzämien führen)
- Zoledronat
(Zometa®, Acclasta®) 5mg i.v. einmal jährlich
- vorher Kreatininbestimmung, Ca-Bestimmung - nur bei KreaClearance
> 40ml/min, Normokalzämie anwendbar
- Infusion
über 15min
- ausreichende
vorangehende Hydrierung (mind. 2 Gläser Wasser; alt. 500ml
NaCl)
- häufige
UAW: grippeähnliche Symptome für bis zu 3d (Paracetamol
oder Ibuprofen geben)
- parallel
immer CaD3-Behandlung (kann zu Hypokalzämien führen)
| |
Risikoreduktion Hüft-# (3 Jahre) |
Risikoreduktion WK-# (3 Jahre) |
Tagestherapiekosten |
| Alendronat (Generica) |
63% |
59% |
ab 0,95€ |
| Risedronat (Actonel®) |
59% |
59% |
1,39€ |
| Zoledronat (Aclasta®) |
41% |
72% |
1,53€ |
| Ibandronat (Bonviva®) |
69% |
62% |
1,60€ |
| Ibandronat (Bonviva i.v.®) |
69% |
62% |
1,76€ |
- Therapiedauer:
- 3-5 Jahre, bei nichtveränderbarem Frakturrisiko Langzeittherapie!
- Effektivität im Rahmen der Frakturprävention nur 3-4 Jahre durch Studien valide abgesichert
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| 5. Bisphosponate und Kieferentzündugen/Kiefernekrosen [2] |
- Zusammenfassend für Patienten mit Osteoporose mit niedrig (normal) dosierten Bisphosphonaten äußerst geringes Risiko (0,00038%)
- Risikofaktoren für das Auftreten von Kiefernekrosen:
- Immunsupression bei Tumorpatienten (bes. Plasmozytom)
- CTx und/oder Steroide
- vorbestehende entzdl. Zahnerkrankungen
- Zahnextraktionen/kieferchirurgische Eingriffe
- Einsatz von Bisphosphonaten i.v. (v.a. Zoledronat und Pamidronat) in hoher Dosierung und in monatl. Intervallen
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| 6.
Verlaufskontrolle |
- Klinik: nach Therapieeinleitung zunächst alle 3-6
Monate, dann 12-monatlich
- Labor: nur bei Auffälligkeiten im Basislabor
- Röntgen: Frakturverdacht oder Größenabnahme > 2cm seit letzter Untersuchung
- Osteodensitometrie: zum Stellen der Therapieindikation maximal 2-jährlich;
keine Verlaufskontrolle bei bestehender med. Therapie (DXA-Dynamik hat kein Bezug zur Senkung des Frakturrisikos)!
Quellen:
[1] Pfeilschifter J: Kalziumzufuhr nicht übertreiben. Therapie und Prophylaxe der Osteoporose - das ist neu. Der Hausarzt 10/11:41-42
[2] Bartl R: Kieferentzündungen bei Bisphosphonat-Therapie (Frage aus der Praxis). Dtsch Med Wochenschr 2011;136:2109-2110 |
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