Schweinegrippe - Hinweise zum Procedere

1. Algorithmus bei Krankheitsverdacht (DEGAM 7/2009)
2. Hinweise zur Vermeidung der Übertragung
  • keine medikamentöse Prophylaxe bei Kontaktpersonen (das gilt auch für Risikopatienten inkl. SS - besser frühzeitge Rückmeldung, falls Symptome auftreten)
  • Kontaktpersonen benötigen generell keine Isolation (können arbeiten)
    Ausnahmen in Erwägung ziehen:
    • Pat., die beruflich mit großen Menschengruppen zu tun haben (z.B. Kindergärtnerin, Lehrer)
    • Pat., die mit Menschen mit Risikofaktoren zu tun haben (z.B. Krankenschwester)
  • Quarantäne: Erkrankte Patienten sollen 7 Tage zu Hause bleiben
3. Hinweise zur Testung
  • Patienten mit eindeutigen Grippesymptomen: Schnelltest und PCR-Test nicht nötig
  • H1N1 Verdacht und keine Risikogruppe: abwarten
  • H1N1 Verdacht, Angehöriger einer Risikogruppe und Zeit für Tests: PCR-Test, ggf. Therapie
  • H1N1 Verdacht, Angehöriger einer Risikogruppe und keine Zeit für Tests: kein Test, Therapie
4. Impfung (STIKO-Empfehlung vom 12.10.2009)
  • Aktuell vorrangig empfohlene Indikationsgruppen für eine Impfung (nach Priorität):

    Priorität

    Indikationsgruppe Beispiele Anmerkungen
    1.)
    Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege
  • Ärzte, Tätigkeit in Krankenpflege, Physiotherapie, Geburtshilfe, Labor, Heilpraktiker, Raumpflege in diesen Bereichen
  • ambulante Dienste, Tätigkeit in Kindergärten/-krippen, Tagespflege, Freizeitstätten
  • Insbesondere bei hohen Patientenzahlen erhöhtes Infektionsrisiko. Hohes Risiko, Erkrankung an nicht infizierte weiterzugeben.
    2.)
    Patienten mit erhöhtem Risiko durch Grunderkrankung
  • chronische Atemwegserkrankungen (COPD, Asthma)
  • chronische Herz-Kreislauferkrankungen (HI)
  • chronische Leber- und Nierenkrankheiten (CNI, Leberzirrhose, ...)
  • Malignome
  • DM
  • Immundefekte
  • chron. neurologische Erkrankung
  • HIV
  • Vergleichbar mit Impfempfehlungen für die saisonale Influenza
    3.)
    Schwangere und Wöchnerinnen
  •  SS ab dem 2. Trimenon
  • SS ist Risikofaktor für Komplikationen sowie Zeitdauer und Hospitalisierung. Begründung für die Impfempfehlung: Befürchtete Analogien zu den Pandemien 1918 und 1957 (dabei zahlreiche influenzabedingte Komplikationen. In großer Fallstudie mit 1350 Schwangeren 50% mit Pneumonie, Letalität 27%.
    Individualentscheidung!
  • Aktuell N I C H T vorrangig empfohlene Indikationsgruppen für eine Impfung (nach Priorität):

    Priorität

    Indikationsgruppe Beispiele Anmerkungen
    4.)
    Haushaltskontaktpersonen zu Risikopatienten
  • Säugling < 6 Monate im Haushalt
  • Risikopatienten für Influenza im Haushalt (s.o.)
  • Da Haushaltskontaktpersonen selbst kein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung haben aktuell keine Impfempfehlung.
    5.)
    alle übrigen Personen von 6 Monaten bis 24 Jahre   Schwerere Erkrankungen und häufigere Todesfälle als bei der saisonalen Influenza, meist aber bei Begleitrisikofaktoren (s.o.). Aktuell keine Impfempfehlung.
    6.)
    alle übrigen Personen zwischen 25 und 65 Jahren   Aktuell keine Impfempfehlung.
    7.)
    Personen > 65 Jahren ohne Risikofaktoren (s.o.)   Offensichtlich gewisse Grundimmunität. Nach Datenlage im Vergleich mit saisonaler Influenza dtl. geringeres Infektionsrisiko. Begleitende Risikofaktoren bestimmen den Verlauf (s.o.). Aktuell keine Impfempfehlung.
  • Impfschema Pandemrix® (GSK):

5. Meldepflicht
  • bereits bei begründetem Verdacht (keine Testung notwendig)
  • mit Meldeformular
6. Impfung - Kritikpunkte einer Massenimpfung
  • Impfstoff mit Wirkverstärker (Adjuvanz):
    • Zunahme unerwünschter Lokalreaktionen und systemischer Effekte
    • geringer Erfahrungshintergrund zur Sicherheit
    • keine Zeit für Testung - "Großversuch an 25 Mio. Menschen"
    • zweimalige Imfpung wird gefordert - ohne wissenschaftliche Sicherung
    • keinerlei Erfahrungen mit d. Adjuvanzimpfstoff bei Schwangeren!
  • "Schweinegrippe" zeigt einen Typ-3-Pandemieverlauf (milder Verlauf - viele Infizierte)
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