Aktionstag zur Woche der Wiederbelebung 2017 – einmal mehr ein großer Erfolg!

Zum dritten Mal und damit nun schon fast „traditionell“ organisierten die Bereitschaften im DRK-Kreisverband Bad Mergentheim zusammen mit der Gruppe der hier diensttuenden Notärzte eine Aktion im Rahmen der bundesweiten Initiative „Ein Leben Retten – 100 pro Reanimation“.

Über fehlendes Interesse konnten sich die vielen Ehrenamtlichen aus Bad Mergentheim, Igersheim, Markelsheim und Creglingen wahrlich nicht beklagen, standen doch zahlreiche Bürger angesichts der parallel auf dem Mergentheimer Marktplatz vorhandenen Informationsstände unterschiedlicher Parteien an diesem Bundestagswahlwochenende der vermittelten Thematik recht offen gegenüber.

Mit drei Reanimationspuppen konnten bei strahlendem Sonnenschein unzählige Passanten in Laienmaßnahmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung geschult werden. Dabei zeigte sich als größere Hemmschwelle einmal mehr die Angst, etwas falsch machen zu können, Befürchtungen „der Erste“ sein zu müssen. Gerade an diesem Punkt setzten Ärzte und Helfer auf Aufklärungsarbeit und konnten viele Zweifler mit Darlegung der Überlebenschancen in Abhängigkeit vom Verhalten der Ersthelfer überzeugen.

Jung und Alt wagten sich nach etwas Motivationsarbeit durch ein Vorgespräch so an die Dummies und erreichten gute Ergebnisse, zwischen 7 und 77 waren alle Altersklassen vertreten. Interessant gestaltete sich hierbei erneut das große Interesse von Jugendlichen und auch schon von Kindern. Im Gegensatz zu „älteren Semestern“ scheint die Hemmschwelle, mutig zuzupacken bei dieser Altersgruppe erstaunlicherweise deutlich geringer zu sein.

Dennoch: einige Passanten kehrten nach einer eher ablehnenden Bemerkung im Einführungsgespräch nochmals an den Aktionsstand zurück. „Ich habe mir das überlegt – sie haben ja recht. Ich muss das wirklich auch mal üben!“, so ein älterer Herr, der in der ersten Unterhaltung mit einem Notarzt noch etwas egoistisch drauf verwies, es reiche wohl, wenn seine Frau das beherrsche. Gerade bei diesen „Zweiflern“ konnte somit wertvolle Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Passend zum Standort des öffentlich zugänglichen Defibrillators im Gebäude der Volksbank wurde für Interessierte auch das Vorgehen mit diesem lebensrettenden Helfer demonstriert und für den Einsatz in entsprechenden Situationen geworben.

Abschließend ist auch der dritte Aktionstag am Ende der diesjährigen „Woche der Wiederbelebung“ als erfolgreich zu bewerten: Berührungsängste konnten spürbar abgebaut, Zweifel am eigenen Können widerlegt und die Bereitschaft zur Durchführung von Ersthelfermaßnahmen gefördert werden. Die Überlebenswahrscheinlichkeit bei Herz-Kreislaufstillstand ist so in Bad Mergentheim vielleicht wieder ein bisschen besser geworden, angesichts der erschreckenden Zahlen mit hierzulande nur in 15% der Fälle vor Eintreffen professioneller Kräfte begonnener Wiederbelebungsmaßnahmen kann das aber nur der Anfang sein!

Burger, Cocktails und mehr – eine Betriebsfeier muss nicht spießig sein!

Fast schon traditionell in schon fast herbstlichem Ambiente traf sich das gesamte Praxisteam mit Partnern und Kindern im Garten und, ob der auch schon eher kühleren Temperaturen, im Haus von Dr. Thorsten Zahn.

Als besonderen Akzent konnte wir Chames Roth mit seiner legendären „Mietbar“ für die Versorgung mit flüssigen Spezialitäten verpflichten. Schon kurz nach Eintreffen der einzelnen Gäste wuchs so der Andrang um den exzellenten Bartender. Neben zahlreichen alkoholfreien Cocktails konnte man internationale Drinks, wie den „Moscow Mule“ oder einen „Touchdown“ genießen oder auch den „Bad-Mergentheim-Cocktail“ der Heimatage, die „Märchedoler Schippe“.  

Einmal mehr gelang es uns, den Praxisalltag für einige Stunden hinter uns zu lassen und bei durch Dr. Zahn am Grill auf den Punkt zubereiteten Burgern und eiskalten Getränken Spass miteinander zu haben. Wie auf den Bildern ersichtlich können wir weit mehr als eine gezwungene Betriebsfeier auf die Beine stellen. Einfach ein Spitzenteam das von den fleißigen und kompetenten Medizinischen Fachangestellten bestens getragen wird.
Na dann mal bis zum nächsten Jahr!

Hausarztmangel – welcher Hausarztmangel?

Zum Artikel „Hausarzt-Versorgung im Landkreis auf „sehr gutem Niveau“ (Fränkische Nachrichten vom 24.8.2017) [1]

Kopfschüttelnd fällt mir beim Bericht über die Erörterung der hausärztlichen Versorgung durch MdL Prof. Reinhart nur die markige Phrase des Kabarettisten Dieter Nuhr ein: „Wenn man keine Ahnung hat: einfach mal …“.

Nicht mehr als Beschwichtigungen durch den Politiker im Rahmen des Wahlkampfes stellt der Inhalt des Artikels dar. Offensichtlich erkennen Volksvertreter jene Signale nicht, die das gemeine Volk schon mit gesundem Menschenverstand sehen kann: nicht die aktuell bestehende Zahl der Hausärzte im Kreis ist von Bedeutung – die ist in der Tat sehr gut und ausreichend. Von Interesse für die Bürger ist aber doch, ob sie in 5-10 Jahren auch noch einen Hausarzt vor Ort haben werden!

Genau hier liegt aber das Problem begraben: aus eigener Recherche für einen Vortrag  [2] ergibt sich für den Altkreis Mergentheim eine in der Tat düstere Prognose: 2015 waren hier 24 Ärzte in hausärztlicher Versorgung tätig – nach ihrer Altersstruktur sind bis 2025 davon 14 im Rentenalter (und somit wahrscheinlich im Ruhestand). Von den damals 14 Kollegen ist mittlerweile leider Kollege Pingel aus Niederstetten verstorben – erwartungsgemäß ohne eine Nachbesetzung seiner Praxis. Somit werden 2025 wohl über 62% der jetzt tätigen Hausärzte ihre Praxistüre hinter sich abgeschlossen haben. Nachwuchs zu finden ist, selbst bei großem Engagement in der Weiterbildung, immens schwer geworden: Ärzte in Weiterbildung Allgemeinmedizin sind rar – Weiterbildungsstellen, gerade im ländlichen Raum, gibt es „wie Sand am Meer“. Derzeit sind drei Ärzte in Weiterbildung in der hiesigen Region tätig, andere Kollegen suchen aber schon seit langer Zeit erfolglos ausbildungswillige Kollegen.

Natürlich sind wir froh, gerade einen jungen Kollegen für die Praxis fit machen zu dürfen und ihn mittelfristig als niedergelassenen Kollegen in der Nähe von Bad Mergentheim sehen zu dürfen. Natürlich freut es mich beim regionalen Stammtisch der JADE – Junge Allgemeinmedizin Deutschland eine Kollegin in Weiterbildung kennen zulernen, die mit dem Gedanken spielt, sich im Altkreis niederzulassen.

Selbst das berüchtigte „Milchmädchen“ erkennt aber schnell, dass diese Lichtblicke nicht für die Deckung unseres hausärztlichen Bedarfes in den kommenden Jahrzehnten ausreichen werden. Bundesweit sehen die Zahlen indes nicht anders aus: nach Daten der KBV (Ärztemonitor 2016 [3]) planen 27% der Hausärzte ihre Tätigkeit in den kommenden 5(!) Jahren aufzugeben. Auch die Altersstruktur passt dazu: jeder dritte Hausarzt ist über 60 Jahre alt. In Deutschland haben 2016 indes ca. 1300 Nachwuchsmediziner ihre Facharztprüfung Allgemeinmedizin als Voraussetzung einer Niederlassung abgelegt. Im selben Jahr waren ca. 43.600 Hausärzte tätig.

Wenn die Nachwuchsgewinnung weiter so schleppend verläuft können wir innerhalb der fünf Jahre, in denen sich nach o.a. Zahlen 27% (ca. 11.770 Kollegen) zur Ruhe setzen werden gerade mal 6500 Praxen mit jungen Kollegen nachbesetzen – und das ist schon sehr optimistisch gedacht, da ein nicht geringer Anteil der jungen Allgemeinmediziner viel lieber in Anstellung arbeiten würde.

Quellen:
[1] FN vom 24.8.2017
[2] Bad Mergentheim 2030 – was zeigt uns der Blick in die Kristallkugel?

[3] KBV – Ärztemonitor 2016
[4] KBV – Ärztestatistik 2016

 

Lehrpraxis aktuell – Famulantin arbeitet mit

Frau Leonie Link ist Studentin der Humanmedizin an der Universität Gießen und wird in der Zeit vom 30.8. bis zum 28.9.2017 in unserer Praxis eine Famulatur ableisten.

Im Rahmen der klinischen Semester absolvieren die Studierenden unterschiedliche Famulaturen in Kliniken und Arztpraxen, um so über die Theorie hinaus auch praktische Erfahrungen sammeln zu können.

Frau Link studiert im 7. Semester und hat bereits viele theoretische Inhalte erarbeitet. Aus besonderem persönlichen Interesse für die hausärztliche Medizin im eher ländlich geprägten Umfeld erwuchs der Entschluss in unserer Praxis für 4 Wochen mitzuarbeiten.

Als akademische Lehrpraxis sind auch wir mit der Ausbildung von jungen Medizinern beauftragt. Entsprechend möchten wir Frau Link möglichst gut in unsere Praxisabläufe integrieren (Patientengespräche, Untersuchungen, etc.). Sollten Sie als Patient nicht mit der Gegenwart der Kollegin einverstanden sein, teilen Sie dies bitte unserem Helferteam oder den Ärzten mit.

Selbstverständlich unterliegt Frau Link genauso wie wir der ärztlichen Schweigepflicht. Wir bitten Sie also unserer Kollegin das gleiche Vertrauen wie auch uns entgegenzubringen.

Patientenberatung in Apotheken – viel „Luft nach oben“!

Im Zuge der Diskussion um ein Versandhandelsverbot für rezeptpflichtige Medikamente wird immer wieder der besondere Stellenwert der Vor-Ort-Apotheke bei der Versorgung mit Arzneimitteln betont. Strukturell ist das unzweifelhaft zu unterstützen, sind doch durch den demographischen Wandel immer mehr schlechter mobile und gleichzeitig krankere Menschen auf den einfachen Zugang zu Ihren Medikamenten angewiesen. Nur wenige unserer geriatrischen Patienten könnten sich ohne großen Aufwand bei „Doc Morris“ ihre Dauermedikation bestellen. 
Immer wieder wird aber gerade auch die Beratungskompetenz in den Vordergrund gerückt. Nicht repräsentative Tests durch einschlägige Verbrauchermagazine ließen die Pharmazeuten hier schon des öfteren in schlechtem Licht dastehen. Um die Beratungsqualität als wichtigen Standortfaktor hervorzuheben ist diese auch durch die einzelnen Apotheken immer wieder zu prüfen.
 
Folgende Gesprächssituation aus unserer Sprechstunde in den vergangenen Wochen mit einem/einer Patienten/Patientin zeigt, dass hier noch viel „Luft nach oben ist“ (zur Vereinfachung wird hier die männliche Form gewählt):
 
Der Patient geht stramm auf die 90 zu, das lange Leben hat Spuren hinterlassen: so besteht eine koronare Herzkrankheit mit Herzinfarkt, eine leichte Herzschwäche, die Niere arbeitet nicht mehr so gut und wegen einer Rhythmusstörung muss ein „Blutverdünner“ (Marcumar) eingenommen werden. Insgesamt geht es dem Patienten gut, obgleich er unter einem „Schwindel“ leidet, für den keine medikamentös behandelbare Ursache vorliegt. Weiter treten mal hier, mal da mäßige Schmerzen an Gelenken auf. Der Patient ist in der Apotheke bekannt – alle seine Medikamente werden dort bezogen und sind somit auch dort gelistet und einsehbar.
 
Patient: „Ich war in der Apotheke wegen meinem Schwindel. Da hat man mir Tebonin empfohlen – der Schwindel werde darauf sicher besser. Schließlich ist das doch ein Durchblutungsproblem, haben die gesagt. Das ist doch in Ordnung, Herr Doktor, auch wenn es sauteuer ist?“
Anmerkung und Beratungsergebnis in unserer Sprechstunde:
Natürlich ist das nicht in Ordnung und sollte nicht mehr eingenommen werden. Abgesehen davon, dass keine belastbaren Studienergebnisse zur Schwindelbehandlung mit Gingkopräparaten (Tebonin und Co) vorliegen [2] – das könnte man verkraften – besteht ein ganz anderes Problem: Gingkopräparate verstärken die gerinnungshemmende Wirkung von Marcumar [3]. Hier wird dem Patient also aktiv ein Medikament von Apotheker/PTA empfohlen, dass eine objektive Gefahr darstellt!
 
Patient (der/die Gleiche!): „In der Apothekenumschau [1] habe ich gelesen, dass Ibufen [Ibuprofen ist gemeint] dem Herzen schadet. Der Apotheker/die Apothekerin sagt aber er/sie habe davon noch nie gehört, sie könne das ruhig ab und zu nehmen!“.
Anmerkung und Beratungsergebnis in unserer Sprechstunde:
Auch hier zeigen sich gleich zwei Beratungsfehler: selbstverständlich hat Ibuprofen wie alle sog. nichtsteroidalen Antirheumatika einen negativen Effekt auf des Risiko für Herz-Kreislaufereignisse und sollte bei Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit und/oder mit Herzinfarkt vermieden werden [4]. Weiter – und das ist auch hier wieder relevanter – wurde nicht auf die Schadwirkung bezüglich der bestehenden Nierenschwäche in Verbindung mit einer leichten Herzschwäche hingewiesen – zumindest wurde auch nicht danach gefragt. In einer solchen Konstellation sind diese Medikamente ein „No-Go“.
 
Sicher – wahrscheinlich ein Ausnahmefall, für uns aber mit einem hohen Beratungsaufwand zur Abwendung von Gefahren für den Patienten verbunden. In den allermeisten Fällen wird gut beraten, fundiert nachgefragt und gegebenenfalls auch der Arzt informiert (der hier freilich die gleichen Fehler machen kann!).
In der Diskussion um Standortsicherung der lokalen Apotheken sollte aber die Beratungsqualität nicht nur als Trophäe vorgehalten sondern aktiv an ihr gearbeitet werden. Die Apotheken habe hier sicher noch Nachholbedarf. Nur so werden auf Dauer die für uns insgesamt natürlich wichtigen örtlichen Apotheken auf dem Markt überleben können!
 
Quellen:
[1] Erwähnter Artikel in der Apothekenumschau 5/2017
[2] Arzneimitteldatenbank des Arznei-Telegramms (online)
[3] http://www.pharmazeutische-zeitung.de/…
[4] Arznei-Telegramm 2013; 44: 66-8
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