Blutdruckmessung in der Praxis – kein guter Ratgeber für die Therapieanpassung

Nicht selten werden wir kritisch von unseren Patienten beäugt, wenn wir der Frage des Hochdruckpatienten, ob wir denn nicht seinen Blutdruck messen wollten mit der Gegenfrage nach häuslichen Blutdruckwerten entgegnen.

Die Blutdruckselbstmessung führt langfristig betrachtet als Grundlage für Therapieänderungen zu einer deutlich besseren Blutdruckeinstellung als die bei ärztlichen Kontakten durchgeführten Praxismessungen. Dies wurde bereits Anfang des Jahres im renommierten Journal „Lancet“ veröffentlicht [1]: bei fast 1200 Patienten wurden die Messwerte von Patienten mit Selbstmessungen und mit Praxismessungen verglichen. Dabei wurde belegt, dass eine routinemäßige Messung und Dokumentation des Blutdrucks zu Haus als Grundlage für ärztliche Entscheidungen zu einer signifikant besseren Einstellung führt.

Im JAMA folgte nun eine weitere Veröffentlichung [2], die uns in unserem Vorgehen bekräftigt: Bei einer einfachen Praxismessung mit hypertensiven Blutdruckwerten (also >140/90mmHg) ist eine Zweitmessung nach 5 Minuten bei über einem Drittel der Patienten normwertig! Alleine durch dieses Vorgehen mit zwei aufeinanderfolgenden Messwerten veränderte sich der Anteil der Menschen mit gut kontrolliertem Bluthochdruck in der gesamten Studienpopulation (38.000 Patienten) von 61% auf 73% – alleine durch die Messtechnik! Folglich läuft man mit einfachen Praxismessungen Gefahr, Patienten eine Übertherapie zukommen zu lassen: Medikamentendosierungen werden erhöht oder zusätzliche Medikamente gegeben, obwohl sich der Blutdruck in Wahrheit im Zielbereich bewegt.

Durch kontinuierliche Aufklärungsarbeit konnten wir in den vergangenen Jahren den Anteil der standardisiert durchgeführten Blutdruckselbstmessungen (siehe Bild) deutlich ausbauen – Praxismessungen sind bei uns eher selten Grundlage einer Therapieänderung. Auch die Patienten freut es: ist die automatische 24-h-Langzeitmessung doch bei den meisten Betroffenen wenig beliebt. Auch Ihre Anwendung konnte bei uns deutlich zurückgeschraubt werden.

[1] McManus RJ et al: Efficacy of self-monitored blood pressure, with or without telemonitoring, for titration of antihypertensive medication (TASMINH4): an unmasked randomised controlled trial. Lancet 2018; 391: 949–59
[2] Einstadter D et al: Association of Repeated Measurements With Blood Pressure Control in Primary Care. JAMA Intern Med. Published online April 16, 2018

Hausärztetag 2018 – Praxis am Freitagnachmittag, den 16.3. geschlossen

Am kommenden Freitagnachmittag, den 16.3.2018 bleibt unsere Praxis ausnahmsweise geschlossen – als Landesdelegierter des Hausärzteverband ist Dr. Köber bei dieser Veranstaltung eingebunden. Bei dennoch notwendiger ärztlicher Hilfe dürfen Sie sich vertrauensvoll an unsere Kollegin wenden:

Dipl. Biol. Susanne Stüber-Brückner, Wachbacher Str. 14, 97980 Bad Mergentheim, Telefon 07931 923737.

Zeit für Neues – Dr. Hofmann zieht es nochmal in die Klinik!

Vor gut zwei Jahren kündigten wir an dieser Stelle Dr. Wolfgang Hofmann als neuen Mitarbeiter in unserer Praxis an. Als abschließenden Teil der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin durften wir ihn als Lehrer und Mentoren auf diesem Weg begleiten. 

In dieser Zeit der Lernens und der beruflichen Entwicklung konnten auch unsere Praxis durch seinen scharfen Sachverstand und die konstruktive Mitarbeit profitieren – einige Optimierungen im Praxisablauf konnten so in Zusammenarbeit umgesetzt werden. 

Den Allgemeinarzt in spe zieht es nun nochmal in das klinische Umfeld: in der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim wird er unter Professor Thomas Haak neben der Vorbereitung auf die Facharztprüfung Allgemeinmedizin noch die Weiterbildung zum Facharzt für Innere Medizin vollenden. 

Eines ist erfreulicherweise schon jetzt klar: mittelfristig gewinnt die nähere Umgebung einen neuen Hausarzt – Herr Dr. Hoffmann wird in den nächsten Jahren in eine bestehende Gemeinschaftpraxis in der Mergentheimer Umgebung eintreten! 

Wir bedanken uns für die zweijährige tatkräftige Mitarbeit in unserem Team und wünschen dem Kollegen Hofmann einen erfolgreichen Abschluss seiner Facharztausbildung und einen guten Start im Diabeteszentrum.

Lehrpraxis – Famulantin arbeitet mit

Frau Paula Uibel ist Studentin der Humanmedizin an der TU München und wird in der Zeit vom 26.2. bis zum 23.3.2018 in unserer Praxis eine Famulatur ableisten.

Im Rahmen der klinischen Semester absolvieren die Studierenden unterschiedliche Famulaturen in Kliniken und Arztpraxen, um so über die Theorie hinaus auch praktische Erfahrungen sammeln zu können.

Frau Uibel studiert im 7. Semester und hat bereits viele theoretische Inhalte erarbeitet. Durch Ihre Verwurzelung in Bad Mergenthei m und Interesse für die hausärztliche Medizin im eher ländlich geprägten Umfeld erwuchs der Entschluss, in unserer Praxis für 4 Wochen mitzuarbeiten.

Als akademische Lehrpraxis sind auch wir mit der Ausbildung von jungen Medizinern beauftragt. Entsprechend möchten wir Frau Uibel möglichst gut in unsere Praxisabläufe integrieren (Patientengespräche, Untersuchungen, etc.). Sollten Sie als Patient nicht mit der Gegenwart der Kollegin einverstanden sein, teilen Sie dies bitte unserem Helferteam oder den Ärzten mit.

Selbstverständlich unterliegt Frau Uibel genauso wie wir der ärztlichen Schweigepflicht. Wir bitten Sie also unserer Kollegin das gleiche Vertrauen wie auch uns entgegenzubringen.

Verhinderung von HIV-Infektionen lediglich Lifestyle?

Schon seltsam: die gesetzlichen Kassen dürfen problemlos für wissenschaftlich höchst zweifelhafte oder sogar in Ihrer Wirkung widerlegte Therapiekonzepte, wie Homöopathie, Osteopathie oder anthroposophische Medikamente Ausgaben erstatten oder Versicherte mit Zuschüssen zu „Gesundheitsreisen“ locken. Wenn aber eine hochwirksame Möglichkeit zur Prävention von HIV-Infektionen auf dem Markt ist, deren Anwendung von WHO und Robert-Koch-Institut nachdrücklich für betroffene Risikopatienten empfohlen ist wird dies im gemeinsamen Bundesausschuß noch nicht einmal diskutiert.

In Deutschland stagnierte die Neuerkrankungsrate bei ca. 3000/Jahr, insbesondere in Risikogruppen besteht unverändert ein deutlich erhöhtes Risiko für die Infektion mit dem Virus: bei Prostituierten liegt dies 14-fach höher als in der Durchschnittsbevölkerung, bei homosexuellen Männern zeigt sich eine 19-fache und bei Transgender-Frauen gar eine 50-fache Erhöhung. Mit Tenovovir/Emtricitabin exisitiert ein wirksames Präparat zur Prävention einer HIV-Infektion: mit einer bereits 2012 in den USA erfolgten Zulassung kann auf einen große Anzahl behandelter Patienten zurückgeblickt werden, so gab es weltweit nur drei Berichte über eine trotz Einnahme erfolgte Infektion mit dem HI-Virus. Die Nutzung eine Kondoms vermag bei korrektem Gebrauch bei heterosexuellen Partnern eine Infektion in 80% der Fälle zu verhindern, beim Sex zwischen Männern aber schon nur noch bei ca. 64%. Verständlich also, dass die WHO schon 2014 für Risikogruppen die Kombination des Kondoms mit der Einnahme des o.a. prophylaktischen Medikaments empfiehlt.

Der Spitzenverband der gesetztlichen Krankenkassen macht sich die Angelegenheit sehr leicht und klassifiziert die Medikation in den Bereich der „Lifestyle-Medikation“ und stellt sie damit auf eine Stufe mit potenzsteigernden Mitteln oder Präparate gegen einen vorzeitigen Samenerguss. Schaut man sich das Leid eines an AIDS Erkrankten an wirkt dies geradezu zynisch, aber auch gesundheitsökonomisch ist dies fragwürdig: bei einer HIV-Infektion wird eine lebenslang notwendige Kombinationstherapie mit teils sehr teuren Medikamenten notwendig – ganz abgesehen von der großen Unbekannten: der Zahl der potenzielle durch den Betroffenen Neuinfizierten!

Quelle: arznei-telegramm 2018; 49; 17-20