Impfmythen Teil 4 – “Herr Doktor, ich möchte eigentlich nicht geimpft werden, weil …”

“… die meisten Krankheiten, gegen die wir impfen doch in Deutschland gar nicht mehr vorkommen!”

Zunächst einmal ist richtig, dass Erkrankungen wie Wundstarrkrampf (Tetanus), eine Diphterie oder die Kinderlähmung (Polio) erfreulicherweise heute zu den Raritäten unter den Neuerkrankungen gehören.

Die Tatsache, dass dem so ist hängt aber gerade mit den Impfbemühungen im letzten Jahrhundert zusammen und schützen nicht zwangsläufig vor einer erneuten Einschleppung von außen, solange keine Ausrottung der Erkrankung weltweit gelungen ist (wie z.B. bei Pocken). Eine nachlassende Impfquote gegenüber einer hierzulande nicht mehr vorkommenden Erkrankung kann bei einer Einschleppung aus anderen Ländern verheerende Folgen haben: ohne Impfschutz wird sich die Erkrankung rasch wie eine Epidemie auch in Deutschland verbreiten können. So nehmen wir im Rahmen der aktuellen Migrationsbewegungen z.B. viele Menschen bei uns auf, in deren Heimat die Kinderlähmung noch eine gefürchtete und gegenwärtige Erkrankung darstellt.

Gedanken zum Beispiel Kinderlähmung

In den Niederlanden kam es in fundamentalistisch-calvinistischen Gemeinden, die aufgrund ihrer Weltanschauung Impfungen ablehnen 1978 und 1992 zu bedeutenden Ausbrüchen der Kinderlähmung. Bei der ersten Epidemie erkrankten 110 Personen, bei der zweiten 71 Personen. Schaut man sich die Folgen der Poliomyelitis bei Betroffenen an erscheint das erschreckend (siehe auch unser Beitrag “Impfmythen Teil 1”). [1]
Wie sehr eine Veränderung der Impfquoten Einfluss auf die Erkrankungsrate hat lässt sich hier auch gut am Beispiel von Nigeria darstellen: bis 2003 galt auch dieses Land als poliofrei. In den Jahren danach waren dann aber wieder Fälle mit steigender Tendenz zu verzeichnen. Im Jahr 2003 wurde durch den Obersten Scharia-Rat ein islamisches Rechtsgutachten veröffentlicht, dass der Polioimpfung eine “sterilisierende Wirkung” auf die Impflinge zuschrieb: die Impfung sei Bestandteil einer Verschwörung der USA und aller mit der WHO zusammenarbeitenden Organisationen, um die muslimische Bevölkerung im Land systematisch zu dezimieren. So erging ein Aufruf an die nigerianische Regierung, die Impfungen gingen zurück. In den Folgejahren flammte die Kinderlähmung in Nigeria wieder auf und verbreitete sich auch auf die benachbarten Länder [2].
Auch innerhalb Europas besteht aber wieder Gefahr: trotz aller Sicherheitsvorkehrungen (Einreiseverbot, Einfuhrverbot für Lebensmittel) kam es durch eine Einschleppung des Virus durch indische Gastarbeiter zu 643 neuen Fällen in Tadschikistan – über die russische Grenze ursprünglich wurde das Virus dann nach Russland weiterverschleppt [1].

Ein Ausbruch der Polio ist durch weitreichende Migrationsbewegungen im Rahmen der Flüchtlingsströme nach Europa heute sogar wahrscheinlicher als noch vor einigen Jahren – eine Impfung ist wichtiger denn je!

Wir dürfen uns nicht durch die Tatsache blenden lassen, dass uns die teils schrecklichen Erkrankungen im Alltag nicht mehr begegnen – die Möglichkeit zu einer Infektion wird immer im Raum stehen, solange ein Erreger nicht weltweit ausgerottet ist. Wer käme im Analogschluss denn darauf, den Sicherheitsgurt abzuschaffen, da heute ohnehin weniger Unfälle passieren und die Fahrzeuge mit viel mehr aktiver und passiver Sicherheitstechnik ausgestattet sind … ?
Quellen:
[2] Robert-Koch-Institut

Ab in den Urlaub – wir sind dann mal weg!

sommerurlaubAuch wir brauchen mal eine Verschnaufpause. Entsprechend bleibt unsere Praxis vom 8.8.2016 bis
zum 19.8.2016 geschlossen.
In dringenden medizinischen Notfällen nehmen Sie bitte mit einem/einer unserer vertretenden Kollegen/innen Kontakt auf:

  • Jörg Hennig
    Seegartenstraße 1, Bad Mergentheim
    Telefon 07931/3515
  • Dr. Heinz-Jürgen Träger (außer 19.8.)
    Oberer Graben 60, Bad Mergentheim
    Telefon 07931/7216
  • Dres. med. M. und S. Lanig
    Goldbachstr. 9, Igersheim
    Telefon 07931/45068

 

nur bis 12.8.2016:

  • Dr. med. Ulrike Knödler
    Oberer Graben 62, Bad Mergentheim
    Telefon 07931/949123

erst ab 12.8.2016:

  • Dr. med. Silke Stahnke
    Möhlerplatz 7, Igersheim
    Telefon 07931/3949

erst ab 15.8.2016:

  • Dipl.-Biol. S. Stüber-Brückner
    Wachbacher Straße 14, Bad Mergentheim
    Telefon 07931/923737

Ab dem 22.8.2016 geht der Praxisbetrieb dann wieder
frisch gestärkt weiter.

Bild: © Rainer Sturm / Pixelio

Blicke auf unsere Stadt – erst schwitzen, dann schlemmen!

Zum Betriebsausflug machte sich das Team der Praxis Dres. Zahn und Köber am 15.7.2016 am späten Vormittag auf. Keine Zugtickets waren gekauft, kein Bus gemietet, noch nicht einmal die eigenen Fahrzeuge waren vonnöten: es wurde gewandert.

Einmal mehr konnte man sich mit teils bis dato völlig unbemerkten Blicken über unsere Stadt und das Umland vertraut machen. Über den Drillberg und das Wolfental sollte uns der Weg wieder ins Tal nach Neunkirchen bringen, um dann gleich wieder den nächsten Hügel, den Wartberg, zu erklimmen. Dort wartete ein Picknick mit Sekt und Schlemmereien schon auf die Wandernden. Selbstredend war ein Aufstieg auf den Wartturm Pflicht, um von dort die ganze Region bei perfektem Wetter überblicken zu können.

Nach dieser Pause folgte dann der zweite Teil: über den Galgenberg fand das Team den Weg zur Burg Neuhaus nach Igersheim, wo der Abstieg über den fast verwunschen wirkenden Waldpfad und unzählige Treppenstufen durch engen Bewuchs folgte. Fast schon erholsam mutete daraufhin der Rückweg über das Taubertal und den Kurpark bis zum Ausgangspunkt an.

Insgesamt 315 überwundene Höhenmeter und 16km Gehstrecke später empfing uns Tobias Fink mit seinem Team von delikat fineCatering für ein exclusives Dinner in sommerlicher Gartenstimmung. Nach einem Sektempfang wurden uns unzählige Tapas von süß bis feurig serviert. Noch bis in die späten Abendstunden erholte man sich so in ausgelassener Atmosphäre im Schein der Feuerschale bei erlesenen Weinen. Resumée: ein anstrengender aber rundum schöner Tag für unser Team.

Betriebsausflug – Praxis am 15.7.2016 geschlossen.

Auch unser Team braucht mal Zeit für sich – wir verbringen einen Tag zusammen und stärken unseren Teamgeist. Entsprechend bleibt unsere Praxis am
Freitag, den 15.7.2016 ganztags geschlossen.

In dringenden medizinischen Notfällen nehmen Sie bitte mit einem/einer
unserer vertretenden Kollegen/Kolleginnen Kontakt auf:

Dr. med. Ulrike Knödler
Oberer Graben 62, Bad Mergentheim
Telefon 07931/949123

Dres. med. M. und S. Lanig
Goldbachstr. 9, Igersheim
Telefon 07931/45068

Dr. med. Rainer Stiel
Wolfgangstraße 19, Bad Mergentheim
Telefon 07931/6127

Dr. med. Susanne Stüber-Brückner
Wachbacher Straße 14, Bad Mergentheim
Telefon 07931/923737

Dr. med. Heinz-Jürgen Träger
Oberer Graben 60, Bad Mergentheim
Telefon 07931/7216

Ab dem 18.7.2016 geht der Praxisbetrieb dann wieder mit neuer Energie aufgefrischt weiter.

Impfmythen Teil 3 – “Herr Doktor, ich möchte eigentlich nicht geimpft werden, weil …”

“… Impfungen das Immunsystem schwächen – Infektionen sind wichtig für das Training unserer Abwehr!”

Der letzte Teilsatz ist natürlich absolut zu unterstützen und kann nur bestätigt werden: Eine gute Immunkompetenz bedarf eines gewissen “Trainings”, um bei der Wortwahl zu bleiben.

Lediglich am Anfang unseres Lebens bekommen wir mittels Übertragung von Abwehrstoffen (Antikörper gegen bestimmte Krankheiten) einen zeitlich auf einige Monate begrenzten Schutz gegen bestimmte Erkrankungen. Dieser Nestschutz (“Leihimmunität”) ist aber davon abhängig, dass die Mutter dem Säugling während der Schwangerschaft über ihre Gebärmutter oder danach über die Muttermilch beim Stillen bereits Antikörper übertragen hat. Somit ist auch hier Voraussetzung, dass sie selbst einmal von den jeweiligen Erkrankungen betroffen war oder eine Impfung dagegen wahrgenommen hat. Der Mensch bekommt quasi ein begrenztes Startkapital an passiver Immunität mit auf den Weg und muss in dieser Zeit eine aktive Abwehr aufbauen.

Die Mutter breitet zu Beginn des Regenschauers mit dem Nestschutz einen großen Schirm über dem Nachwuchs auf, der sich in dieser Zeit dann aber Gummistiefel, Matschhose, Jacke und den Südwester aufsetzen muss, da sie den Schirm nicht ewig halten möchte.

Wir fangen uns eine Infektion ein – was passiert da im Körper?

Vereinfacht dargestellt: Bei einer bakteriellen oder viralen Infektion registriert der Körper zunächst körperfremde Eiweiße des Erregers und er wird von unspezifischen Fresszellen aufgenommen. Diese verdauen quasi den Übeltäter und präsentieren nun einige der Bestandteile unserer Verteidigungsarmee – den Lymphozyten. Diese regeln dann alles weitere: im Idealfall erkennen die Zellen den Übeltäter und fordern ausgebildete Spezialisten zu deren Abwehr nach. Das passiert, sofern der Körper früher bereits Kontakt zum Erreger hatte. Ist dies aber nicht der Fall wird an dieser Stelle zunächst die Produktion von Abwehrzellen (“Killerzellen”) und akuten Abwehrstoffen angekurbelt, mittelfristig auch die von sogenannten “Gedächtniszellen”. Letztere sind in der Lage, bei einem späteren, erneuten Kontakt rasch eine Verteidigungslinie aufzubauen und auch gezielt gegen diesen Erreger wirkende Abwehrstoffe zu produzieren: Der gesamte Abwehrprozess läuft dann rascher und effektiver ab, das Immunsystem hat bereits ein “Training” hinter sich.

Somit ist in der Tat eine Infektion ein gesunder Stimulus für das Immunsystem – es erlangt dadurch Kompetenzen für eine erfolgreiche Abwehr -insofern ist der zweite Teil der obigen Aussage natürlich korrekt.

Die Impfung als gefahrlose Trockenübung für das Abwehrsystem

Wie oben dargestellt entsteht so zum Beispiel eine meist lebenslange Immunität gegen das Masernvirus – man wird die Erkrankung kein zweites Mal bekommen, da die “Verteidigungslinie” bereits aufgebaut ist.

Leider läuft der Prozess des Abwehraufbaus nicht im Hintergrund ab, ohne dass wir etwas davon merken: die Infektion macht uns krank. Eine solche Erkrankung ist in der Regel alles andere als ein “harmloses Training” des Immunsystemes. Man setzt sich neben den unangenehmen Krankheitssymptomen auch einer Vielzahl von möglichen Komplikationen aus, die das Virus oder Bakterium verursachen kann – von Befindlichkeitsstörungen bis zu einem fatalen oder invalidisierenden Verlauf (man denke hier nur an die tödliche SSPE nach Maserninfektion, das Versagen der Atemmuskulatur bei Polio oder das zum Ersticken führende echte Kruppsyndrom bei Diphterie oder Hämophilus-Influenza-Infektionen).

Bei einem Training versucht man in einer simulierten Form Fertigkeiten in kontrollierter Umgebung zu üben, damit Sie im Ernstfall des Wettkampfes (Sportler) oder der Notfallsituation (als Notarzt bei der Reanimation) reibungslos funktionieren. Ein Grundprinzip ist dabei, dass in der Trainingssituation “nichts passieren kann”.

Gerade dieser Trainingssituation setzt man das menschliche Immunsystem aus, werden ihm Impfstoffe verabreicht: die sogenannten Vakzine bestehen heute in der Regel aus einzelnen Proteinbestandteilen des Erregers. Somit können die Abwehrzellen “die Viren oder Bakterien kennenlernen” ohne dass diese eine Erkrankung auslösen könnten.

Die Reaktionen, die im Immunsystem bei einer solchen Impfung ablaufen (Antigenpräsentation, T-/B-Zell-Aktivierung, Antikörperproduktion, etc.) sind von denen bei einer echten Infektion ablaufen nicht zu unterscheiden – die Impfung steht also dem Trainingseffekt einer echten Infektion mit dem Erreger in nichts nach, birgt lediglich keine Gefahr, die Erkrankung und deren Folgen auch zu bekommen.

Abschließend ist zu bemerken, dass bis dato keine Belege existieren, die eine Überlegenheit der geistigen oder körperlichen Entwicklung geimpfter gegenüber nicht geimpften Menschen zeigen könnten. Lassen Sie sich impfen und ziehen die gefahrlosen Trockenübungen des Immunsystems den Unwägbarkeiten von Komplikationen einer Wildtypinfektion vor!