Quartärprävention – leider ein immer wichtigeres Feld zum Schutz unserer Patienten

Als Fachärzte sind wir breit aufgestellt und können 80% der Beratungsanlässe in unserer Verantwortung lösen. Manchmal ist aber die Expertise (oder einfach nur die dort gegebene Untersuchungstechnik) eines Gebietsarztes notwendig. So besteht über die Fachgebietsgrenzen in der Regel eine gute Zusammenarbeit.
 
Umso ärgerlicher ist es, wenn wir Patienten zu einer gezielten Diagnostik schicken und der Gebietsarztkontakt zu einer Orgie an Folgeterminen führt oder das „Facharztkarussel“ angeworfen wird, also von einem Facharzt zum nächsten überwiesen wird, ungeachtete dessen, was an Vorerkenntnissen hausärztlich möglicherweise ohnehin schon vorhanden ist.
Nicht nur, dass diese eine eklatante Ressourcenverschwendung darstellt – meist handelt es ich um Diagnostik, die bei uns im Rahmen der hausärztlichen Diagnostik bei Notwendigkeit selbstverständlich angeboten wird und somit auch in unsere Pauschalen eingerechnet ist. Auch dass durch gestandene „Spezialisten“ teils eigene Leitlinien mit Füßen getreten werden und jenseits jeglicher Evidenz eine Überdiagnostik betrieben wird, die so manchen Patienten in Angst und Schrecken versetzt – und das in aller Regel ohne relevante Konsequenzen für dessen Leben und die Gesundheit. Ganz abgesehen davon, dass verständlicherweise auf diese Art und Weise der Terminkalender des Spezialisten schnell voll ist und „leider keine Termine mehr frei“ sind.
 
Unsere Arbeit fängt letztlich dann erst an: Relativieren und einordnen vermeindlich „schlimmer Befunde“ in die realen Verhältnisse, Darlegung von Wahrscheinlichkeiten und Risiken, Beratung zu Do’s und Dont’s der aktuellen Medizin (weltweit gibt einen „Klug-Entscheiden-Kampagne“, in denen Fachgesellschaften klare Statements zu sinnvollen und sinnbefreiten medizinischen Maßnahmen abgeben). „Quartäre Prävention“ ist ein Begriff, der durch solche Arbeitsweisen erst entstanden ist: Die Verhinderung von Übermedikalisierung und unnützer Medizin und damit die Abwendung von Schaden für die Patienten. Vielen Gebietsärzten würde etwas Nachhilfe in evidenzbasierter Medizin gut zu Gesicht stehen!
 

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