„Sanfte Medizin“ kann nicht schaden?

Das dem bei Weitem nicht immer so ist dürfte jedem Arzt klar sein, stellten wir das in Vergangenheit ja zum Beispiel auch schon für Nahrungsergänzungsmittel dar.

Eine aktuelle Studie zur Anwendung alternativer Methoden bei bösartigen Erkrankungen wirft aber nochmal ein anderes Licht auf diese Thematik. Eine Studie untersuchte Fälle von Patienten mit Brustkrebs, Prostatakrebs, Lungen- oder Darmkrebs ohne Metastasen und mit vorhandenen Heilungschancen. Dabei wurden Patienten selektiert, die zusätzlich(!) zur Chemo-/Hormontherapie, Bestrahlung und/oder Operation einen alternative Therapie durch nichtmedizinische Personen (z.B. Heilpraktiker) erhielten und einer Vergleichsgruppe gegenübergestellt, die nur die o.g. konventionelle Therapie erhielt.

Im Ergebnis verweigerten Patienten, die eine alternative Methode in Anspruch nahmen häufiger einer wirksamkeitsbelegte Therapie (z.B. Operation 7% vs. 0,1%, Bestrahlung 34% vs. 3,2%, Hormontherapie 33,7% vs. 22,8%). Weiter war die 5-Jahres-Überlebensrate mit 82% in der Gruppe der alternativen Methoden um 5% niedriger und die Sterblichkeit doppelt so hoch.

Einschränkend muss natürlich hier das Studiendesign als Beobachtungsstudie kritisch beachtet werden. Im Ergebnis scheint ja nicht die pure Anwendung einer zusätzlichen alternativen Heilmethode das Problem darzustellen sondern eher zu deren Gunsten das Verlassen des immerhin wirksamkeitsbelegten Pfades. Wer im Falle einer Krebserkrankung von alternativen Heilmethoden überzeugt ist sollte zumindest die Erkenntnisse der evidenzbasierten Medizin nicht völlig ausblenden (oder sich ausreden lassen).

Quelle: Johnson SB et al: Complementary Medicine, Refusal of Conventional Cancer Therapy, and Survival Among Patients With Curable Cancers. JAMA Oncol 2018 (10):1375-1381

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