TSVG verabschiedet – nicht viel Gutes für unsere Patienten!

Nun wird das Gesetz mit dem sperrigen Namen also umgesetzt. Nach außen wurden lange genug in gewohnt populistischer Natur durch Herrn Bundesminister Spahn die Vorzüge für die Bevölkerung präsentiert: Endlich soll die ach so arbeitsunwillige Ärzteschaft mal mehr arbeiten, sollen Patienten Wunschtermine bei Spezialisten und Hausärzten durch eine 24/7 besetzte Terminservicestelle (also auch in der tiefen Nacht um 3:00 Uhr) vermittelt bekommen können, sollen auch Hausärzte endlich mal offene Sprechstunden anbieten – schließlich muss doch jeder dann zum Arzt gehen können, wann ihm gerade danach ist, Termine sind da doch nur lästig.
 
Auch für unsere Praxis wird die Umsetzung Folgen haben – positiv für Patienten werden diese sich aber eher nicht auswirken:
 
1. Terminvermittlung durch die Terminservicestelle: wir müssen neben vermittelbaren Akutterminen auch „dauerhafte Behandlungsplätze“ zur Verfügung stellen, die dann durch ein Callcenter an arztsuchende Patienten vermittelt werden. Diese Akuttermine stehen freilich unserem ohnehin schon viel zu großen Patientenstamm nicht mehr zur Verfügung – für „unsere“ Patienten wird es also zwangsläufig schwieriger werden, Termine zu bekommen. Weiter werden wir unsere aktuelle Politik, Patienten ohne einen Hausarzt i.d.R. aufzunehmen (das sind meist neu zugezogene Pflegeheimbewohner, etc.) wohl einschränken: stattdessen müssen wir es dann hinnehmen, Neupatienten vermittelt zu bekommen, die möglicherweise sogar schon einen versorgenden Hausarzt haben, dort aber aus bestimmten Gründen unzufrieden sind.
 
2. Steigerung der Sprechstunden- und Hausbesuchszeit auf 25 Stunden/Woche: Darüber können wir nur müde lächeln. Würden wir uns auf diese Zeitforderung zurückziehen, hätten wir alle deutlich mehr Freizeit und unsere Patienten ein Problem.
 
3. Vermittlung von Facharztterminen soll für Hausärzte vergütet werden: gerade im Rahmen der Hausarztprogramme, insbesondere aber allgemein ist bei durch uns initiierten Vorstellungen bei Spezialisten die Terminvereinbarung eher die Regel als die Ausnahme. Dass jetzt diese Terminvermittlung vergütet werden sollt klingt erstmal gut. Schaut man sich aber die damit verbundenen bürokratischen Anforderungen an, wird das alles schon wieder relativiert: Zusätzliche Abrechnungsscheine müssen im System erstellt, Pseudo-Abrechnungsziffern generiert werden und der annehmende Gebietsarzt muss den Fall ebenso kennzeichnen – ansonsten wird man wohl leer ausgehen. Noch aufwändiger wird das bei durch die Terminservicestelle vermittelten Terminen, da hier neben einem (ggf. weiteren) doppelten Abrechnungsschein auch noch die Zeitspanne zwischen Vermittlungswunsch und Termin vermerkt werden muss. Für diesen bürokratischen Wahnsinn hat unser Team schlicht keine Zeit! 

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