COVID-19 – wie ansteckend ist das Virus wirklich und warum ist es nicht genauso zu bewerten wie eine Grippe?

Möchte man Erkrankungen und vor allem deren Gefahr, eine Pandemie auszulösen, verstehen, muss man sich mit vorhandenen epidemiologischen Daten beschäftigen. Ein zentraler Parameter dafür, wie schnell sich eine infektöse Erkrankung verbreitet ist die sog. „Basisreproduktionszahl“ R0. Dieser Wert drückt aus, wieviele weitere Menschen ein Erkrankter im Durchschnitt ansteckt. Beispielsweise haben Masern ein R0 von 12-18 – ein Erkrankter steckt bis zu 18 Gesunde an: die Ausbreitung einer solchen Erkrankung kann ohne Impfungen nicht wirksam verhindert werden!

Tatsächlich hat, nach derzeitigem Kenntnisstand, die Influenza („Grippe“) und die Coronavirusinfektion den gleichen R0 von ca. 2-3 – zwei Erkrankte stecken insgesamt ca. 5 weitere Personen mit dem Virus an. Ein wesentlicher Unterschied dabei ist nun schon einmal, dass insbesondere ein großer Teil der Risikopersonen in Deutschland gegen die Influenza geimpft sind. Der R0-Wert und damit die Infektiosität kommt aber nur bei einer ungeimpften Grundgesamtheit voll zum Tragen. Damit ist schon einmal klarzustellen: Die Wahrscheinlichkeit sich aktuell mit dem Coronavirus anzustecken ist, bei weiterer Verbreitung in Deutschland, deutlich höher, als sich mit der Influenza zu infizieren!

Ein weiterer wichtiger epidemiologischer Faktor zu Beurteilung einer infektiösen Erkrankung stellt die Todesfallrate (CFR) dar. Welcher Anteil der Erkrankten verstirbt an der Erkrankung? Gerade bei neu aufkommenden Infektionskrankheiten ist die CFR extrem schwierig einzuschätzen, werden doch zunächst nur symptomatisch Erkrankte erfasst und nicht die (wahrscheinlich) große Masse der Menschen, die zwar infiziert sind aber keine oder nur geringfügige Symptome haben. Entsprechend sind hier nur Schätzungen möglich. Für Fälle außerhalb Chinas wurde die Todesfallrate für COVID-19 auf 1,4% geschätzt. Diese Zahl wird sich in den kommenden Monaten (wenn mehr Fälle, auch asymptomatische, bekannt werden) noch weiter verändern – und zwar eher dtl. nach unten, da wir ja immer mehr Daten zu Erkrankten ohne Symptome bekommen werden. Zum Vergleich: bei der Grippewelle 2017/18 starben nach Schätzungen des RKI über 25.000 Menschen in Deutschland, die Todesfallrate lag dabei um 0,2%.

Quelle (u.a.): popular science

Coronavirus – Covid-19 – was der Einzelne tun kann!

Coronavirus – COVID-19: was können Sie tun? Ein erster Schritt wäre, bei einfachen Infekbildern (Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Gliederschmerzen, etc.) eben NICHT die Hausarztpraxis aufzusuchen!

Das größte Problem besteht darin, dass die neuartige Viruserkrankung sich rasch in Deutschland ausbreiten könnte und damit viele, gesundheitlich durch chronische Erkrankungen angeschlagene Menschen angesteckt werden könnten.

Für sonst gesunde Menschen besteht vermutlich keine größere Gesundheitsgefahr. Sie Alle aber können dazu beitragen, die Ausbreitung einzudämmen und damit „Zeit zu gewinnen“ (bis zu spontanen Rückgang der Übertragungsrate bei wärmerer Witterung, zur Entwicklung eines Impfstoffes, etc.):

  • suchen Sie keine Arztpraxen wegen einfachen Infekten auf!
  • Allgemeinmaßnahmen (Ruhe, Schonung, Steigerung der Flüssigkeitszufuhr, Gurgeln, Inhalationen, ggf. Ibuprofen, etc.) können selbst angewendet werden! Vereinbaren Sie ggf. einen Telefonsprechstundentermin!
  •  achten Sie auf häufiges Händewaschen mit Wasser und Seife oder Händereinigung mit einem alkoholischen Gel (in kleinen Fläschchen in jedem Drogeriemarkt erhältlich) 
  • husten/Niesen Sie nicht in Ihre Hand, sondern in ein Taschentuch oder ihre Ellenbeuge!
  • entsorgen Sie benutzte Taschentücher gleich im Abfalleimer und bewahren Sie nicht in Ihrer Hosentasche auf
  • halten Sie Abstand von erkennbar erkrankten Personen (1-2m sind genügend)

Sehr gutes Informationsmaterial zum Thema finden Sie auf der Homepage der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM): Hier ist ein Patientenflyer („Grippe oder Coronavirus?“) sowie eine nützliche Homecare-Anleitung bei Notwendigkeit zur Isolation zu Hause verfügbar.

Das Praxisteam entert die Küche – gemeinsam zum perfekten Weihnachtsmenü!

Ein ereignisreiches Jahr 2019 neigt sich dem Ende zu, hat sich doch die Struktur unserer Praxis im Januar durch Verschmelzung mit Praxis und Team von Frau Dr. Knödler grundlegend verändert. Grund genug einen Blick auf die Meilensteine der vergangenen 11 Monate zu werfen. Nach den positiven Erfahrungen der vergangenen Jahre sollte auch der neu hinzugekommene Teamteil unbedingt in den Genuss eines hervorragenden Kochevents unter der Ägide des Gastronomieunternehmens delikat fineCatering kommen. Zum heuer dritten Mal traf sich das Praxisteam im Küchenstudio Edelmann in Weikersheim, um gemeinsam eigenhändig ein leckeres Menü zu zaubern.

Koch Michael Klaus führte die Anwesenden bei Sekt und Gin Tonic in den Abend ein. Im Fokus stand einmal mehr ein in den meisten Küchen nicht alltägliches Thema: eine selbst hergestellte Wildschweinbratwurst sollte den Mittelpunkt des Hauptganges darstellen. So wurden gemeinsam Wildschweinschulter und Schweineschwarten präpariert, Gewürzmischungen hergestellt, Maronen, Sellerie und viele Zutaten mehr geschnitten und die drei Gänge unter den wachenden Augen des Küchenchefs zubereitet. Bis hin zum professionellen Anrichten konnten alle Teammitgliedern für einen Abend einen „Kurzlehrgang Spitzengastronomie“ genießen.

Freilich kam der Spass hier nicht zu kurz: da konnte neben dem Abschmecken, Probieren und Genießen der servierten Weineauch ausgiebig über Kochtechniken, Tipps und Tricks mit dem kompetenten Koch gefachsimpelt werden.

Gang für Gang wurde zusammen an der langen Tafel genossen. Dabei und auch noch danach bot sich ausreichend Gelegenheit für weitere Gespräche und die einer oder andere Anekdote der Teammitglieder in lockerer Atmosphäre.

Aktionstag zur Woche der Wiederbelebung in Bad Mergentheim – Reanimation zum Anfassen auf dem Bad Mergentheimer Marktplatz

Seit auf Bahnhöfen und in öffentlichen Gebäuden vor einigen Jahren damit begonnen wurde, Notfalldefibrillatoren für die Laienanwendung zu platzieren, ist der plötzliche Herzstillstand wieder etwas mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Der sogenannte „plötzliche Herztod“ ist mit rund 100.000 Fällen pro Jahr eine der häufigsten Todesursachen in unserem Land. Da ursächlich in einer solchen Situation die Herzpumpfunktion verloren geht, wird neben den anderen Organen vor allem das Gehirn nicht mehr durchblutet. Schon nach nur 4-6 Minuten ohne Versorgung mit sauerstoffreichem Blut treten nicht reparable Hirnschädigungen auf.

Damit es nicht soweit kommt, muss die Pumpfunktion des Herzens durch eine Herzdruckmassage rasch wiederhergestellt werden. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn von Freunden, Angehörigen, Arbeitskollegen oder zufällig anwesenden Passanten sofort mit der Wiederbelebung begonnen wird. Dabei gilt der Grundsatz „Zeit ist Leben“: pro Minute, die bis zum Beginn derMaßnahmen verstreicht, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um ca. 10%. Wenn innerhalb der ersten fünf Minuten kein Beginn der Wiederbelebung erfolgt, ist ein Überleben unwahrscheinlich.

Gerade in unserer Region als Flächenlandkreis ist Zeit ein kritischer Faktor: Selbst nach sofortiger Alarmierung brauchen Notarzt und Rettungsdienst außerhalb der Kernstadt meist deutlich länger zur Anfahrt als dieses enge Zeitfenster vorgibt. Leider sei es eher die Ausnahme, dass bei ihrem Eintreffen bereits eine Laienreanimation stattfinde, wissen ortsansässige Notärzte immer wieder zu berichten. Diese Beobachtung passt zu den Ergebnissen einer wissenschaftlichen Arbeit aus dem Jahr 2012, nach denen hierzulande nur in etwa 15% der Fälle vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen wird (zum Vergleich liegen Norwegen und Schweden bei etwa 60%).

Um die Berührungsängste der Bevölkerung als erstem Glied der Rettungskette zu verringern und das Wissen um Laienreanimationsmaßnahmen zu verbessern, findet im Rahmen der „Woche der Wiederbelebung“ nunmehr zum fünften Mal am Samstag, den 21.9.2019 ab 10:00 Uhr auf dem Marktplatz ein Aktionstag „Ein Leben retten – 100 pro Reanimation“ statt. Die Bereitschaften des DRK-Kreisverbandes Bad Mergentheim stellen diese Veranstaltung auf die Beine.  Erneut beteiligen sich auch der Schulsanitätsdienst des Deutschorden-Gymnasiums sowie das Jugendrotkreuz aktiv an der Veranstaltung. So leiten Jugendliche und Kinder Gleichaltrige in korrekter Herz-Lungen-Wiederbelebung an einer altersgerechten Puppe an.

Einmal mehr sollen Jung und Alt an den Simulationspuppen geschult werden und Berührungsängste abgebaut werden. Gerade solche praktischen Trainingsmaßnahmen können die Erfolgsaussichten einer Wiederbelebung verbessern: eine optimale Laienreanimation kann die Überlebensrate verdoppeln bis verdreifachen.  Jede/r kann helfen!

Vitamin-D-Mangel – mit einer Fehlinterpretation auf dem Weg zur Überdiagnose

Schenkt man den Populärmedien Glauben sieht es mit unserer Gesundheit schlecht aus: „Mindestens 60 Prozent der Deutschen bekommen zu wenig Vitamin D und riskieren damit viele Krankheiten (…)“, schreibt der Focus in fetten Lettern. Die Basisdaten, die zu dieser Erkenntnis führen stammen u.a. vom renommierten Robert-Koch-Institut: in der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS 1) [1] wurde bei fast 7.000 Erwachsenen zwischen 18 und 79 Jahren der Vitamin-D-Spiegel bestimmt – sicher also eine gute und repräsentative Grundgesamtheit.


Nach dieser Aufstellung liegen also 56% der Erwachsenen im Bereich einer „mangelhaften und suboptimalen“ Versorgung – warum ist dann überhaupt Kritik und Zweifel an solchen Meldungen in den Medien gerechtfertigt?

Das Grundproblem bei Angaben zum Nährstoffbedarf ist tatsächlich der schwierige Weg zur Ermittlung eines Referenzbereiches. Für ein Verständnis des Sachverhaltes ist die Kenntnis der international gültigen Definition von Referenzwerten für Nahrungsbestandteile notwendig [2]:

  • Estimated Average Requirement (EAR): die tägliche Zufuhrmenge (oder der dazu korrelierende Serumspiegel), die ausreicht, um den Bedarf von 50% der gesunden Personen zu decken
  • Recommended Dietary Allowance (RDA): tägliche Zufuhrmenge (oder der dazu korrelierende Serumspiegel), die ausreicht, um den Bedarf von 97,5% der gesunden Personen einer definierten Bevölkerungsgruppe zu decken (= EAR + 2 x Standardabweichung)
  • Upper tolerable intake level: höchste tägliche Zufuhrmenge eines Nahrungsbestandteils, die (wahrscheinlich) keinen gesundheitlich nachteiligen Einfluss hat 
  • im Falle von Vitamin D haben EAR und RDA eine fehlende oder allenfalls minimale Sonnenexposition als Grundlage

Konkret für Vitamin D sehen diese Referenzwerte somit folgendermaßen aus [3]:

Der oben bereits erwähnte riesige Anteil an Vitamin-D-unterversorgten Deutschen basiert also auf einer Unterschreitung der RDA – und genau das ist der Knackpunkt: es handelt sich schlicht um eine Fehlinterpretation der Grenzwerte, die RDA wird fälschlich als „Cut-off-Wert“ gewertet, der alle Menschen, deren Vitamin-D-Spiegel sich darunter bewegt automatisch einer Mangelgruppe zuweist. Richtig ist, dass für 97,5% der Bevölkerung ein Serumspiegel analog zur RDA von maximal 20ng/ml oder weniger ausreichend für eine gesunde Lebensweise ist. 20ng/ml beschreibt also das oberste Ende des Bedarfsspektrums. Anders formuliert: nur 2,5% der Bevölkerung hat einen Nährstoffbedarf mit einem Zielspiegel von mehr als 20ng/ml! Betrachtet man die EAR wird die Absurdität der heute gebräuchlichen Einteilung des Vitamin-D-Mangels noch deutlicher: 50% der Menschen kommen mit einer Vitamin-D-Zufuhr aus, die zu einem Serumspiegel von maximal 16ng/ml oder darunter führt – nur die Hälfte der Bevölkerung benötigt also überhaupt Serumspiegel von über 16ng/ml für eine Vermeidung eines erhöhten Osteoporoserisikos.

Problematisch kann die leider übliche Verschiebung der Serumspiegel dabei durchaus auch werden: das Upper Tolerable Intake Level wird von nicht wenigen Menschen überschritten, die versuchen den vermeintlich optimalen Zielspiegel zu erreichen: so wird dann die gutgemeinte Prophylaxe zur gesundheitlichen Gefahr, die bei zu hoher Vitamin-D-Zufuhr zweifelsohne vorhanden ist.

Die beiden folgenden Diagramm verdeutlichen hier nochmals die Fehlinterpretation anhand einer Verteilungskurve [nach 4]:


Insgesamt lassen diese Ausführungen die Horrorszenarien zum bundesweiten Nährstoffmangel doch in anderem Licht erscheinen. In neutrale und objektive Informationen dürfen wir hier indes wenig Hoffnung setzen, bestehen doch mannigfaltige Interessenkonflikte da mit Nahrungsergänzungsmitteln jährlich über eine Milliarde Euro in Deutschland umgesetzt wird. Weiter dürfte es dem durchschnittlichen Redakteur der Laienpresse schwerfallen, selbst eine Recherche bezüglich solcher Daten anzustellen und die Meldungen zu hinterfragen – letztlich schreibt hier nicht selten Einer vom Anderen ab und trägt so zur Verbreitung der fehlerhaften Information bei.

 

Quellen:
[1] https://www.degs-studie.de
[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK45182/
[3] Institute of Medicine. Dietary reference intakes: calcium and vitamin D. Washington, DC: National Academies Press, 2011
[4] Manson JE et al: Vitamin D Deficiency — Is There Really a Pandemic? N Engl J Med 375;19:1817-1820