Einfache Infekte – Empfehlungen für unsere Patienten jenseits von Antibiotika

1. Grippaler Infekt und Erkältung

Eine Erkältung oder ein „grippaler Infekt“ wird in den allermeisten Fällen durch eines von  ca. 200 bekannten Viren ausgelöst. Bakterien spielen selten eine Rolle, weshalb auch Antibiotika hier keinen Nutzen haben. Die Ansteckung erfolgt meist per  Tröpfcheninfektion, also durch das Einatmen winziger virushaltiger Sekrettröpfchen, die eine infizierte Person beim Husten oder Niesen versprüht. Der zweite wichtige Übertragungsweg sind die Hände.

Typische Beschwerden sind Halsschmerzen, Husten,
Schnupfen und Heiserkeit. Hinzu kommen häufig Allgemeinsymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, seltener Fieber. Außerdem fühlen sich Erkältungspatienten oft
müde und abgeschlagen. Die Entwicklung der Beschwerden
zeigt oft einen typischen Verlauf (siehe Grafik [9]).

Empfehlungen gegen Fieber

Erhöhte Temperatur (> 37°C) oder Fieber (>38°C) ist lediglich ein Zeichen einer Erkrankung, hat aber selbst, abgesehen von Müdigkeit und Kopfschmerzen, keinen Krankheitswert. Eine Fiebersenkung an sich ist deshalb bei fehlenden Begleitbeschwerden auch nicht notwendig.

  • Ruhe und Schonung sowie gesteigerte Flüssigkeitszufuhr (ca. 1 Liter zusätzlich pro °C über 37°C) ist immer zu empfehlen
  • je nach Beschwerden Ibuprofen bis 3 x 400mg oder
    Paracetamol bis 3 x 500mg

Empfehlungen gegen Ihre Halsschmerzen

  • Gurgeln mit Salzlösung: 1/4 Teelöffel Kochsalz in warmem Wasser auflösen und mehrfach  täglich 1-2min anwenden [1]
  • Speichelproduktion anregen und Schleimhaut benetzen: lutschen Sie milde oder entzündungshemmende Bonbons (z.B. Isla Moos®) und trinken schluckweise warme (nicht heiße) Kräutertees [1]
  • evtl. mal Ambroxol Tabletten: an den ersten 2 Tagen dreimal täglich, danach zweimal täglich [2] einnehmen (wenige Belege für Wirksamkeit)

Empfehlungen gegen Ihren Husten

  • Gurgeln mit Salzlösung: 1/4 Teelöffel Kochsalz in warmem Wasser auflösen und mehrfach  täglich 1-2min anwenden. Ihr Husten wird (auch) durch die Rachenentzündung ausgelöst [1] 
  • Inhalationen mit Wasserdampf: 2 Liter Wasser zum Sieden bringen, ca. 2 Esslöffel Kochsalz darin auflösen, etwas abkühlen lassen. Den heißen Dampf (besser: das Aerosol, denn Salz kann nicht verdampfen) dann mit Handtuch über dem Kopf durch die Nase ein- und den Mund ausatmen bis keine Dampfentwicklung mehr da ist. Anwendung 3-4 x täglich! [3]
  • evtl. Gelomyrtol Forte® 1-1-1 für 7 Tage zur Mobilisierung
    des Schleimes [3]
  • evtl. Thymian/Primel zur Hustenlinderung, z.B. Bronchipret® TP 1-1-1 für 7 Tage [4]

Empfehlungen gegen ihre Nasensymptome

  • abschwellendes Nasenspray, z.B. Nasic® mehrfach täglich (höchstens über 7 Tage) [5]
  • Inhalationen mit Wasserdampf: 2 Liter Wasser zum Sieden bringen, ca. 2 Esslöffel Kochsalz darin auflösen, etwas abkühlen lassen. Den heißen Dampf (besser: das Aerosol, denn Salz kann nicht verdampfen) dann mit Handtuch über dem Kopf durch die Nase ein- und den Mund ausatmen bis keine Dampfentwicklung mehr da ist. Anwendung 3-4 x täglich. Vorher jeweils Nasenspray anwenden! [5]

2. Magen-Darm-Infekt und Durchfall

Auch Magen-Darm-Infekte werden wie die Atemwegsinfektionen am häufigsten durch Viren verursacht. Den mit Abstand wichtigsten Übertragungsweg stellt hier die Schmierinfektion, d.h. über die Hände dar.

Durch eine Entzündung der Darmschleimhaut sondert diese vermehrt Wasser und Salze ab, was zu den entsprechenden Durchfallsymptomen führt. Häufig tritt begleitend auch  eine Entzündung der Magenschleimhaut auf: Erbrechen, Übelkeit, Magenschmerzen aber auch Sodbrennen können so dazukommen.

Empfehlungen gegen Ihren Durchfall

  • Schonkost (Zwieback, Toast, Nudeln, Kartoffeln, Reis) essen
  • Ersatz von Flüssigkeit: trinken Sie schluckweise über den Tag eine elektrolytreiche Flüssigkeit. Völlig ausreichend funktioniert das mit verdünntem Apfelsaft [6] oder gesüßtem Kräutertee 
  • Hefeextrakt, z.B. Perenterol® Forte 1-0-1 für einige Tage zur positiven Beeinflussung der Darmflora 
  • Loperamid Kapseln (z.B. Imodium® akut): anfangs zwei Kapseln, dann bei jedem flüssigen Stuhl eine Kapsel (maximal 6 pro Tag) – nur nach ärztlicher Anordnung!

Empfehlungen gegen Magenbeschwerden

  • Schonkost (Zwieback, Toast, Nudeln, Kartoffeln, Reis)
  • Trinken magenberuhigender Tees, z.B. Pfefferminze
  • evtl. bei starker Übelkeit Dimenhydrinat, z.B. Vomex® Dragees oder Zäpfchen bis 4 x tgl.
  • evtl. Buscopan® Dragees 3 x täglich bei starken, krampfartigen
    Schmerzen

3. Wie Sie gegen Erkältungen vorbeugen können

Eine Impfung gegen einfache Virusinfektionen ist leider bislang nicht möglich. Auch halten  die meisten freiverkäuflichen Präparate, die eine erfolgreiche Vorbeugung oder Behandlung von Infekten anpreisen, keiner wissenschaftlichen Analyse stand – die Wirkung kann nicht nachgewiesen werden. Umso wichtiger ist es, um mögliche prophylaktische Maßnahmen zu wissen.

  • Selbstachtsamkeit und Stressprophylaxe – psychische Belastungen hängen  direkt mit dem Aufkommen von Infekten der oberen Atemwege zusammen
  • regelmäßiges Händewaschen mit Seife halbiert das Risiko, eine Erkältung zu bekommen
  • Vitamin C mindestens 2g täglich kann besonders bei Anstrengung/Stress das Erkältungsrisiko reduzieren und möglicherweise die Infektdauer verkürzen [7]
  • Zink 25mg täglich (z.B. Zinkorot® 25) kann die Häufigkeit von oberen Atemwegsinfekten mindern [8]
  • hochdosiertes Zink, z.B. 75mg spätestens 24h nach Beginn erster Symptome eingenommen kann die Krankheitsdauer deutlich verkürzen und die Schwere der
    Symptome mindern [8]

Quellen:

[1] Leitlinie „Halsschmerzen“ (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
[2] De May C: Efficacy and safety of ambroxol lozenges in the treatment of acute uncomplicated sorethroat. EBM-based clinical documentation.
Arzneimittelforschung 2008;58(11):557-68
[3] Leitlinie „Husten“ (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
[4] S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten“ (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin DGP)
[5] Leitlinie „Rhinosinusitis“ (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
[6] Freedman SB et al: Effect of dilute apple juice and preferred fluids vs. electrolyte maintenance solution on treatment failure among children with mild gastroenteritis. JAMA 2016; 315(18): 1966-1974
[7] Hemilä H. Chalker E. Preventing the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2013
[8] Singh M. Das RR. Zinc for the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2011
[9] Patienteninformation Erkältung. RAI-Projekt der Charité (Berlin) und der Friedrich-Schiller-Universität (Jena). Online: www.infozeptgenerator.de

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