SARS-Cov-2 – rigorose Veränderungen im Praxisablauf!

Neue Situationen stellen uns vor neue Herausforderungen: Die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und gleichzeitig Gefährdete zu schützen (chronisch kranke Menschen, Alte) ist unser oberstes Ziel. Deshalb ändern wir ab dem 16.3.2020 erneut unsere Praxisabläufe:

1. TELEFONISCHE ANMELDUNG. Kommen Sie nicht selbständig in die Praxis, klären Sie den Sachverhalt vorab mit der MFA. Hinterlassen Sie bei Überlastung der Angestellten durch Telefonanfragen eine Nachricht auf der Voicebox. Zur Abholung von bestellten Rezepten oder Überweisungen dürfen Sie nach wie vor erscheinen – halten Sie bitte dann Abstand vom Tresen!

2. TERMINPLANUNG. Bis auf Weiteres werden keine Termine für nicht medizinisch dringend notwendige Maßnahmen vergeben (Gesundheitsuntersuchung, Früherkennungsuntersuchungen, Routinelabor, DMP, etc.

3. INFEKTE. Wenn Sie einen einfachen grippalen Infekt oder eine Grippe ohne bedrohliche Symptome (Luftnot, Herzrhythmusstörungen, etc.) habe bleiben Sie zu Haus und wenden Sie Hausmittel an! Beachten Sie ggf. dazu unseren hier verlinkten Artikel. Über eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung können wir auch mittels Telefontermin entscheiden und diese ausstellen (siehe Punkt 1)!

4. HAUSBESUCHE. Auch Hausbesuche werden zur Verbesserung des Social Distancing auf das unbedingt notwendig Maß zurückgefahren.

5. SPRECHZEITEN. Sind aktuell noch unverändert. Hier sind aber kurzfristige Anpassungen denkbar, wenn wir z.B. bei der Zentralen Abstrichstelle am Caritas-Krankenhaus personell unterstützen müssen

Helfen Sie mit, damit wir alle mit diesem Stresstest für das Gesundheitssystem und die Bevölkerung umgehen können und bedenken: wenn durch einen Patienten einen Infektion einer MFA und/oder eines Arztes stattfindet wird unsere gesamte Praxis für mind. 14 Tage für die Patientenversorgung ausfallen!

Verhaltensmaßregeln angesichts der SARS-Cov-2-Pandemie

Damit unser hervorragendes Gesundheitssystem auch mit der SARS-Cov-2-Pandemie zurechtkommt muss das Containment (die Eindämmung der Ausbreitung) aktuell noch im Vordergrund stehen: die Spitze der Infektionsrate muss abgeflacht und zeitlich in die Zukunft verschoben werden. Nur so werden die Kliniken schwere Verläufe managen können, da diese zeitlich entzerrter auftreten werden, sich auf einen größeren Zeitraum verteilen werden. Mit wenigen Grundregeln kann die Infektionsrate und damit auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit dtl. reduziert werden:

  • meiden Sie unnötige/aufschiebbare soziale Kontakte
  • wenn Sie soziale Kontakte pflegen meiden sie eine enge körperliche Nähe (Händeschütteln, Umarmungen, etc.)
  • wenn Sie selbst einen Infekt haben: halten Sie einen Abstand von 1,5m zu Ihren Mitmenschen ein und husten/niesen Sie nur in Taschentücher oder Ihre Ellenbeuge (keineswegs in die Hand)
  • tragen Sie, soweit vorhanden, eine Mund-Nasenmaske, wenn Sie unter Husten leiden und sich nicht zu Hause zurückziehen können
  • waschen Sie regelmäßige ihre Hände (besonders nach dem Einkaufen, Kontakt zu anderen Menschen, etc.)
  • vermeiden Sie in der Öffentlichkeit möglichst Kontakte der Hände mit Ihrem Gesicht (Schmierinfektion als wichtige Übertragungsmöglichkeit)

Abschließend sei angemerkt: Alleine ein regelmäßiges Händewaschen kann die  Übertragungsrate von viralen Infekten auf rund 50% reduzieren! [1].

Helfen Sie mit – nur wenn alle an einem Strang ziehen und im eigenen Umfeld das Verhalten anpassen können wir Verhältnisse, wie sie in Italien leider vorherrschen erfolgreich umschiffen!

[1] Jefferson T. Del Mar CB. Dooley L. et al. Physical interventions to interrupt or reduce the spread of respiratory viruses. Cochrane Database Syst Rev 2011; DOI: 10.1002/14651858.CD006207.pub4
[Bild] Burst/pexels.com

Einfache Infekte – Empfehlungen für unsere Patienten jenseits von Antibiotika

1. Grippaler Infekt und Erkältung

Eine Erkältung oder ein „grippaler Infekt“ wird in den allermeisten Fällen durch eines von  ca. 200 bekannten Viren ausgelöst. Bakterien spielen selten eine Rolle, weshalb auch Antibiotika hier keinen Nutzen haben. Die Ansteckung erfolgt meist per  Tröpfcheninfektion, also durch das Einatmen winziger virushaltiger Sekrettröpfchen, die eine infizierte Person beim Husten oder Niesen versprüht. Der zweite wichtige Übertragungsweg sind die Hände.

Typische Beschwerden sind Halsschmerzen, Husten,
Schnupfen und Heiserkeit. Hinzu kommen häufig Allgemeinsymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen, seltener Fieber. Außerdem fühlen sich Erkältungspatienten oft
müde und abgeschlagen. Die Entwicklung der Beschwerden
zeigt oft einen typischen Verlauf (siehe Grafik [9]).

Empfehlungen gegen Fieber

Erhöhte Temperatur (> 37°C) oder Fieber (>38°C) ist lediglich ein Zeichen einer Erkrankung, hat aber selbst, abgesehen von Müdigkeit und Kopfschmerzen, keinen Krankheitswert. Eine Fiebersenkung an sich ist deshalb bei fehlenden Begleitbeschwerden auch nicht notwendig.

  • Ruhe und Schonung sowie gesteigerte Flüssigkeitszufuhr (ca. 1 Liter zusätzlich pro °C über 37°C) ist immer zu empfehlen
  • je nach Beschwerden Ibuprofen bis 3 x 400mg oder
    Paracetamol bis 3 x 500mg

Empfehlungen gegen Ihre Halsschmerzen

  • Gurgeln mit Salzlösung: 1/4 Teelöffel Kochsalz in warmem Wasser auflösen und mehrfach  täglich 1-2min anwenden [1]
  • Speichelproduktion anregen und Schleimhaut benetzen: lutschen Sie milde oder entzündungshemmende Bonbons (z.B. Isla Moos®) und trinken schluckweise warme (nicht heiße) Kräutertees [1]
  • evtl. mal Ambroxol Tabletten: an den ersten 2 Tagen dreimal täglich, danach zweimal täglich [2] einnehmen (wenige Belege für Wirksamkeit)

Empfehlungen gegen Ihren Husten

  • Gurgeln mit Salzlösung: 1/4 Teelöffel Kochsalz in warmem Wasser auflösen und mehrfach  täglich 1-2min anwenden. Ihr Husten wird (auch) durch die Rachenentzündung ausgelöst [1] 
  • Inhalationen mit Wasserdampf: 2 Liter Wasser zum Sieden bringen, ca. 2 Esslöffel Kochsalz darin auflösen, etwas abkühlen lassen. Den heißen Dampf (besser: das Aerosol, denn Salz kann nicht verdampfen) dann mit Handtuch über dem Kopf durch die Nase ein- und den Mund ausatmen bis keine Dampfentwicklung mehr da ist. Anwendung 3-4 x täglich! [3]
  • evtl. Gelomyrtol Forte® 1-1-1 für 7 Tage zur Mobilisierung
    des Schleimes [3]
  • evtl. Thymian/Primel zur Hustenlinderung, z.B. Bronchipret® TP 1-1-1 für 7 Tage [4]

Empfehlungen gegen ihre Nasensymptome

  • abschwellendes Nasenspray, z.B. Nasic® mehrfach täglich (höchstens über 7 Tage) [5]
  • Inhalationen mit Wasserdampf: 2 Liter Wasser zum Sieden bringen, ca. 2 Esslöffel Kochsalz darin auflösen, etwas abkühlen lassen. Den heißen Dampf (besser: das Aerosol, denn Salz kann nicht verdampfen) dann mit Handtuch über dem Kopf durch die Nase ein- und den Mund ausatmen bis keine Dampfentwicklung mehr da ist. Anwendung 3-4 x täglich. Vorher jeweils Nasenspray anwenden! [5]

2. Magen-Darm-Infekt und Durchfall

Auch Magen-Darm-Infekte werden wie die Atemwegsinfektionen am häufigsten durch Viren verursacht. Den mit Abstand wichtigsten Übertragungsweg stellt hier die Schmierinfektion, d.h. über die Hände dar.

Durch eine Entzündung der Darmschleimhaut sondert diese vermehrt Wasser und Salze ab, was zu den entsprechenden Durchfallsymptomen führt. Häufig tritt begleitend auch  eine Entzündung der Magenschleimhaut auf: Erbrechen, Übelkeit, Magenschmerzen aber auch Sodbrennen können so dazukommen.

Empfehlungen gegen Ihren Durchfall

  • Schonkost (Zwieback, Toast, Nudeln, Kartoffeln, Reis) essen
  • Ersatz von Flüssigkeit: trinken Sie schluckweise über den Tag eine elektrolytreiche Flüssigkeit. Völlig ausreichend funktioniert das mit verdünntem Apfelsaft [6] oder gesüßtem Kräutertee 
  • Hefeextrakt, z.B. Perenterol® Forte 1-0-1 für einige Tage zur positiven Beeinflussung der Darmflora 
  • Loperamid Kapseln (z.B. Imodium® akut): anfangs zwei Kapseln, dann bei jedem flüssigen Stuhl eine Kapsel (maximal 6 pro Tag) – nur nach ärztlicher Anordnung!

Empfehlungen gegen Magenbeschwerden

  • Schonkost (Zwieback, Toast, Nudeln, Kartoffeln, Reis)
  • Trinken magenberuhigender Tees, z.B. Pfefferminze
  • evtl. bei starker Übelkeit Dimenhydrinat, z.B. Vomex® Dragees oder Zäpfchen bis 4 x tgl.
  • evtl. Buscopan® Dragees 3 x täglich bei starken, krampfartigen
    Schmerzen

3. Wie Sie gegen Erkältungen vorbeugen können

Eine Impfung gegen einfache Virusinfektionen ist leider bislang nicht möglich. Auch halten  die meisten freiverkäuflichen Präparate, die eine erfolgreiche Vorbeugung oder Behandlung von Infekten anpreisen, keiner wissenschaftlichen Analyse stand – die Wirkung kann nicht nachgewiesen werden. Umso wichtiger ist es, um mögliche prophylaktische Maßnahmen zu wissen.

  • Selbstachtsamkeit und Stressprophylaxe – psychische Belastungen hängen  direkt mit dem Aufkommen von Infekten der oberen Atemwege zusammen
  • regelmäßiges Händewaschen mit Seife halbiert das Risiko, eine Erkältung zu bekommen
  • Vitamin C mindestens 2g täglich kann besonders bei Anstrengung/Stress das Erkältungsrisiko reduzieren und möglicherweise die Infektdauer verkürzen [7]
  • Zink 25mg täglich (z.B. Zinkorot® 25) kann die Häufigkeit von oberen Atemwegsinfekten mindern [8]
  • hochdosiertes Zink, z.B. 75mg spätestens 24h nach Beginn erster Symptome eingenommen kann die Krankheitsdauer deutlich verkürzen und die Schwere der
    Symptome mindern [8]

Quellen:

[1] Leitlinie „Halsschmerzen“ (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
[2] De May C: Efficacy and safety of ambroxol lozenges in the treatment of acute uncomplicated sorethroat. EBM-based clinical documentation.
Arzneimittelforschung 2008;58(11):557-68
[3] Leitlinie „Husten“ (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
[4] S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten“ (Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin DGP)
[5] Leitlinie „Rhinosinusitis“ (Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
[6] Freedman SB et al: Effect of dilute apple juice and preferred fluids vs. electrolyte maintenance solution on treatment failure among children with mild gastroenteritis. JAMA 2016; 315(18): 1966-1974
[7] Hemilä H. Chalker E. Preventing the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2013
[8] Singh M. Das RR. Zinc for the common cold. Cochrane Database Syst Rev 2011
[9] Patienteninformation Erkältung. RAI-Projekt der Charité (Berlin) und der Friedrich-Schiller-Universität (Jena). Online: www.infozeptgenerator.de

Lehrpraxis aktuell – Studentin im Praktischen Jahr für vier Monate im Team!

Frau Delia Schmitt ist Studentin der Humanmedizin an der Universität Würzburg und wird in der Zeit vom 9.3. bis zum 28.6.2020 in unserer Praxis ein ein Tertial ihres Praktischen Jahres ableisten.

Am Ende des Medizinstudiums steht vor dem Schritt in das Berufsleben ein einjähriger, praktischer Abschnitt an. Nach diesem Praktischen Jahr trennt die Kollegin nur noch eine letzte Prüfung von der Approbation zur Ärztin

Frau Schmitt hat somit bereits das gesamte Spektrum des ärztlichen Basiswissens erlernt und wird ihre umfangreichen theoretischen Kenntnisse nun in der Praxis umsetzen lernen.

Als akademische Lehrpraxis sind wir durchgehend mit der Ausbildung junger Mediziner beauftragt. Entsprechend möchten wir Frau Schmitt möglichst gut in unsere Praxisabläufe integrieren (Patientengespräche, Untersuchungen, etc.). Sollten Sie als Patient*in nicht mit der Gegenwart der Kollegin einverstanden sein, teilen Sie dies bitte unserem Assistenzteam oder den Ärzt*innen mit.

Selbstverständlich unterliegt Frau Schmitt genauso wie wir der ärztlichen Schweigepflicht. Wir bitten Sie also unserer Kollegin das gleiche Vertrauen wie auch uns entgegenzubringen.

COVID-19 – wie ansteckend ist das Virus wirklich und warum ist es nicht genauso zu bewerten wie eine Grippe?

Möchte man Erkrankungen und vor allem deren Gefahr, eine Pandemie auszulösen, verstehen, muss man sich mit vorhandenen epidemiologischen Daten beschäftigen. Ein zentraler Parameter dafür, wie schnell sich eine infektöse Erkrankung verbreitet ist die sog. „Basisreproduktionszahl“ R0. Dieser Wert drückt aus, wieviele weitere Menschen ein Erkrankter im Durchschnitt ansteckt. Beispielsweise haben Masern ein R0 von 12-18 – ein Erkrankter steckt bis zu 18 Gesunde an: die Ausbreitung einer solchen Erkrankung kann ohne Impfungen nicht wirksam verhindert werden!

Tatsächlich hat, nach derzeitigem Kenntnisstand, die Influenza („Grippe“) und die Coronavirusinfektion den gleichen R0 von ca. 2-3 – zwei Erkrankte stecken insgesamt ca. 5 weitere Personen mit dem Virus an. Ein wesentlicher Unterschied dabei ist nun schon einmal, dass insbesondere ein großer Teil der Risikopersonen in Deutschland gegen die Influenza geimpft sind. Der R0-Wert und damit die Infektiosität kommt aber nur bei einer ungeimpften Grundgesamtheit voll zum Tragen. Damit ist schon einmal klarzustellen: Die Wahrscheinlichkeit sich aktuell mit dem Coronavirus anzustecken ist, bei weiterer Verbreitung in Deutschland, deutlich höher, als sich mit der Influenza zu infizieren!

Ein weiterer wichtiger epidemiologischer Faktor zu Beurteilung einer infektiösen Erkrankung stellt die Todesfallrate (CFR) dar. Welcher Anteil der Erkrankten verstirbt an der Erkrankung? Gerade bei neu aufkommenden Infektionskrankheiten ist die CFR extrem schwierig einzuschätzen, werden doch zunächst nur symptomatisch Erkrankte erfasst und nicht die (wahrscheinlich) große Masse der Menschen, die zwar infiziert sind aber keine oder nur geringfügige Symptome haben. Entsprechend sind hier nur Schätzungen möglich. Für Fälle außerhalb Chinas wurde die Todesfallrate für COVID-19 auf 1,4% geschätzt. Diese Zahl wird sich in den kommenden Monaten (wenn mehr Fälle, auch asymptomatische, bekannt werden) noch weiter verändern – und zwar eher dtl. nach unten, da wir ja immer mehr Daten zu Erkrankten ohne Symptome bekommen werden. Zum Vergleich: bei der Grippewelle 2017/18 starben nach Schätzungen des RKI über 25.000 Menschen in Deutschland, die Todesfallrate lag dabei um 0,2%.

Quelle (u.a.): popular science